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Die Kritiker: «Die Gruberin»

Vor idyllischer Kulisse präsentiert das ZDF ein wenig idyllisches Werk.

Inhalt


Hinter den Kulissen

  • Buch: Claudia Kaufmann
  • Regie: Thomas Kronthaler
  • Kamera: Christoph Oefelein
  • Musik: Martin Unterberger
  • Schnitt: Melanie Landa
  • Kostüme: Katharina Ost
Sofie Gruber bewirtschaftet mit ihrem Mann einen großen Bauernhof und hat wahrlich nichts zu lachen. Viel Arbeit, wenig Freizeit, keine Freunde. Ihr Mann hält sie kurz und ist auch sonst nicht gerade ein Charmebolzen. Überhaupt: Die Vermählung war ebenso unglücklich wie durch Sachzwänge erzwungen – von Liebe keine Spur.

Sofie ist eine Resolute, ein wenig barsch vielleicht und unnahbar, aber leider auch keine wirkliche Schönheit, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Die Ehe blieb kinderlos, die Familie ihres Mannes deswegen immer auf Distanz. So richtig Freude kam in ihrem Leben eigentlich nie auf. Die harte Arbeit auf dem Bauernhof ließ ihr einfach keine Chance.

Aber es kommt für Sofie noch schlimmer: Eines schönen Morgens betritt sie die Scheune und findet ihren Mann leblos auf. Es sieht nach Selbstmord aus. Zu allem Übel wird gemunkelt, Sofie habe sogar etwas mit dem Tod ihres Göttergatten zu tun, weil sie mit ihrem Mann zuvor gestritten hatte (Sofie hatte medizinische Dokumente entdeckt, die seine Zeugungsunfähigkeit bestätigen).

Die Familie und das gesamte Dorf wenden sich gegen Sofie. Man will sie loswerden. Das ist aber gar nicht so leicht, denn als Alleinerbin erhält sie den Bauernhof und das gesamte Vermögen. Die Familie des Verstorbenen setzt natürlich nun alles in Bewegung, um an die Erbschaft zu kommen und Sofie das Witwenleben schwer zu machen. Banken und Versicherungen, der Gemeinderat, die örtliche Presse und selbst die Polizei setzen sie schwer unter Druck, unter dem sie zu zerbrechen droht.

Darsteller


Lisa Maria Potthoff («Männer wie wir») als Sophie Gruber
Stephan Zinner («Dampfnudelblues») als Sepp Gruber
Monika Baumgartner («Der Bergdoktor») als Maria Gruber
Peter Mitterrutzner («Tatort: Unvergessen») als Xaver Gruber
Jürgen Tonkel («Wer früher stirbt ist länger tot») als Andreas Gruber
Sebastian Bezzel («Danni Lowinski») als Georg Gruber
Kathrin von Steinburg ([Franzi[]]) als Steffi Gruber

Kritik


Nach einem Buch von Claudia Kaufmann inszeniert Thorsten Kronthaler einen bitterbösen Fernsehfilm, dem es gelingt, eine Sammlung dörflicher Klischees in eine recht vergnügliche Abendunterhaltung zu verwandeln. Wer sich «Der Gruberin» mit allzu rationalen Kritikansätzen nähert, wird in den bekannten Eckpunkten der Erzählung, der wenig kreativen Zusammensetzung der Darstellerriege und der musikalischen Untermalung schnell fündig. Geschaffen für ein Publikum, das nicht ob seiner Jugend bekannt ist, wagt der Film mit klarer Sprache, rasanter Kamera und kleinen Spitzfindigkeiten aber dennoch mehr, als man es auf dem Sendeplatz gewohnt ist.

Eine filmische Revolution stellt die über neunzig Minuten konstant gezeigte Absurdität natürlich nicht dar; jedoch vermeidet «Die Gruberin» erzählerische Kompromisse und bleibt bis zu den letzten Minuten nicht völlig durchschaubar – ein Attribut, das den wenigsten auf die Zeit bis 21.45 Uhr getrimmten Fernsehfilmen zugesprochen werden kann. Wohin die Reise geht, wird nicht lange verheimlicht – bereits die Auftaktszene, in der die Hauptdarstellerin ihren Ehegatten mit dem Mähdrescher überrollt, stellt klar, dass man sich in den kommenden neunzig Minuten von einer klaren Trennung zwischen Realität und Fiktion zu verabschieden hat. Zwar eröffnet der Film in der Folge keine erwähnenswerte Zweideutigkeit oder knifflige Querverweise auf Moral und Anstand, bietet dem aufmerksamen Zuschauer aber durchaus die ein oder andere gesellschaftliche Spitze. Wer sich nach einem langen Tag nur noch von zauberhaftem Panorama einnebeln lassen möchte, sollte jedoch auch nicht enttäuscht werden.

Die Darsteller leisten durchweg gute Arbeit, in lebhaften Szenen wird deutlich, dass die Produktion nicht an engagierten Statisten gespart hat. Zu loben ist, dass sich der Film nicht auf Slapstick und Dialog verlässt, um deutlich zu machen, welches Szenario sich dem Publikum bietet. Das Portfolio der Kameraeffekte von Detailaufnahmen bis Zeitraffer wurde mit offensichtlicher Freude ausgeschöpft, was der Intensivierung der Inszenierung nur zuträglich ist. Besonders zu loben ist Lisa Maria Potthoff in ihrer Rolle als vom eigenen sozialen Umfeld wenig geschätzte Sophie Gruber, die mit überzeugendem Charisma die Möglichkeit erkennt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Der Bruch mit der scheinbar heilen Welt der (urbayerischen) Dorfidylle ist kein neues Motiv in der deutschsprachigen Spielfilmlandschaft. Die Übertragung erfolgreicher Stoffe auf "primetimetaugliche" Fernsehproduktionen geht oftmals mit einer starken Vereinfachung der inhaltliche Botschaft einher. «Die Gruberin» umschifft diese erzählerische Untiefe zwar erfolgreich, setzt aber wenige neue Akzente. Dennoch gelingt Kronthaler ein in allen Aspekt ordentliches Werk – ein lohnender Fernsehabend dürfte sich Freunden vergleichbarer Filme in jedem Falle bieten.

Das ZDF zeigt «Die Gruberin» am Montag, den 9. Dezember 2013, auf dem Sendeplatz um 20.15 Uhr.
08.12.2013 16:00 Uhr Kurz-URL: qmde.de/67807
Kevin Kyburz  •  Quelle: ZDF (Inhaltsangabe)

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