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«Zeig mir Deine Welt»: Unterhaltsam, berührend, authentisch

Am Mittwochabend zeigte Das Erste den Auftakt von «Zeig mir Deine Welt» - einer Sendung, die so nicht allzu oft zu sehen ist. Unsere TV-Kritik.

Ich möchte das Thema von einem unterhaltsamen Ansatz her präsentieren. Ich glaube nämlich, dass man über Unterhaltung andere Menschen für das Thema öffnen kann (...). Es ist nicht so, dass ich mit den vier Sendungen die Welt verbessern will, aber wenn sie ein paar Klischees und Vorurteile ausräumen könnte, wäre das ein toller Nebeneffekt.
Kai Pflaume zu «Zeig mir Deine Welt» im Quotenmeter.de-Interview
Eine Unterhaltungssendung, die Menschen mit Down-Syndrom begleitet? Menschen mit Down-Syndrom, die ein Millionenpublikum unterhalten sollen? Nicht wenige werden sich Anfang Mai verwundert die Augen gerieben haben, als die „FAZ“ über eine neue Show mit Kai Pflaume berichtet hatte. Zu Recht! Denn das, was Kai Pflaume in «Zeig mir Deine Welt» präsentiert, ist alles andere als gewöhnlich. Es hat wenig mit dem zu tun, was man im Fernsehen sonst so sieht - und schon mal gar nichts mit dem, was viele heutzutage unter Unterhaltung verstehen. «Zeig mir Deine Welt» ist "pure Lebensfreude"– besser hätte es Kai Pflaume in unserem Quotenmeter.de-Interview nicht auf den Punkt bringen können. Und es ist eine frische Produktion, die man in der ARD nicht alle Tage zu sehen gewohnt ist.

Dabei ist der Ablauf der Sendung sehr simpel: Kai Pflaume besucht sechs Menschen mit Down-Syndrom bei sich zu Hause und begleitet sie in ihrem Alltag, der ganz unterschiedlich aussehen kann: Da wäre einmal Ottavio, den Kai Pflaume zum Frisör begleitet. Oder etwa Verena, die in einer Wäscherei arbeitet und dem TV-Mann ihre unterschiedlichen Tätigkeitsfelder näher bringt. Zwischendurch stellt der Moderator den Menschen grundsätzliche Fragen, die teils auch ihre Behinderung betreffen.

Wichtig zu wissen: Kai Pflaume hat aus «Zeig mir Deine Welt» keine Informationssendung gemacht. Ein besonderer Mehrwert erschließt sich dem Zuschauer nicht, mit wissenschaftlichen Studien wird nicht gearbeitet. Das ist aber nicht schlimm, schließlich erhebt die Sendung nicht den Anspruch, ein Info-Format zu sein. «Zeig mir Deine Welt» ist eindeutig in der Ecke Unterhaltung beheimatet, Kai Pflaume spricht gar von einer Unterhaltungsshow. Und: Es geht weniger um das Down-Syndrom an sich – es geht vielmehr um sechs Menschen, die ihren gar nicht mal so ungewöhnlichen Alltag leben. Das Down-Syndrom ist lediglich eine Behinderung, die diese sechs sonst so unterschiedlichen Menschen vereint.

Auf diese besondere Art, auf die «Zeig mir Deine Welt» erzäht, muss man sich erst mal einlassen. Denn mit der Dayime-Unterhaltung nach RTL und RTL II hat «Zeig mir Deine Welt» nichts zu tun. Die Macher setzten weder auf erniedrigende und blamierende noch auf überzogen emotionale Geschichten um die Protagonisten. Der Zuschauer wird nicht dazu verführt, über die Betroffenen zu lachen – so funktioniert Unterhaltung im Falle von «Zeig mir Deine Welt» nicht. Schadenfreude oder ähnliches entstehen zu keiner Zeit, der Zuschauer lacht nicht über, sondern mit den Betroffenen.

Ebenso wenig drücken die Macher künstlich auf die Tränendrüse. Mit vielen anderen Formaten, bei denen die überzogene Inszenierung kaum noch auszuhalten ist, hat das «Zeig mir Deine Welt» nichts zu tun. Das simple Geheimnis der Macher: Die erzählten Geschichten werden zu keiner Zeit überdramatisiert, das Format bleibt stets authentisch. Wenn es emotional wird, dann liegt das allein an den Geschichten selbst.

Die beste Vorlage zu toller Unterhaltung bieten dabei die Betroffenen selbst, die mit einer unheimlichen Unbeschwertheit und Freude durchs Leben gehen. Diesen doch so zufriedenen Menschen in ihrem Alltag mal über die Schulter zu schauen, macht einfach Spaß und gute Laune. Zudem beseitigt diese authentische und direkte Art der Darstellung Vorurteile. Die grundlegenden Einschätzungen von Sebastian zum Thema Liebe (Pflaume: "Was ist für dich Liebe?" - Sebastian: "Wärme") werden sicherlich nicht wenige überrascht haben. Auch in Sachen Selbstreflexion gehen die Betroffenen erstaunlich ehrlich mit sich um und wissen bestens über ihre Erkrankungen Bescheid.

Als Moderator für das Format ist Kai Pflaume übrigens genau richtige. Er bleibt nicht steif und sachlich, sondern ist locker im Umgang. Das heißt aber nicht, dass er die Menschen nicht ernst nimmt. Im Gegenteil! Er nimmt sie voll und ganz ernst und hört ihnen zu. Professioneller wäre diese Aufgabe wohl kaum zu meistern.

«Zeig mir deine Welt» bringt das Thema Down-Syndrom auf eine simple, aber dennoch neue und sehr unterhaltsame Weise ins Bewusstsein der Menschen. Dabei wird niemand bloßgestellt. Betroffenen dürfte die Sendung eine Hilfe sein, was die Akzeptanz in der Gesellschaft angeht. Dem großen Rest ist «Zeig mir Deine Welt» einfach ein großer Spaß. Gerade in Zeiten von Scripted Realitys und Doku-Soaps, die beim Thema Bloßstellung der Protagonisten keine Grenzen kennen, setzt diese Produktion von Kai Pflaume ein deutliches Zeichen: Dass angenehme Unterhaltung auch heutzutage noch ohne Drehbuch geht. Die schönsten Geschichten schreibt eben immer noch das echt Leben.
19.06.2013 22:50 Uhr Kurz-URL: qmde.de/64457
David Grzeschik

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