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Die Kritiker: «Unkraut im Paradies»

Das Erste zeigt am Donnerstag einen Film über zwei junge Erwachsene, die in prekären Lebenssituationen stecken. Lohnt das Einschalten?

Inhalt


Lukas nimmt’s leicht. Sein Leben ist ein Spiel, eine große Party. Er ist jung, gut aussehend und beliebt bei den Mädchen. Seine Prioritäten im Leben sind klar gesetzt: Klamotten, Frauen und er selbst. Seine Freundin Meike ebnet ihm seinen einfachen Lebensweg noch zusätzlich: Lukas wohnt in ihrer Wohnung, sie räumt hinter ihm her, schmeißt den Haushalt und setzt sich bei seinem Chef für ihn ein. Erst als Maike wegen einer Geschlechtskrankheit ins Krankenhaus muss, erfährt sie am eigenen Leib, wie wenig Lukas bereit ist zu geben und setzt ihn überraschender Weise vor die Tür. Sein sorgsam dargestelltes Superleben gerät ins Wanken.

Prügeleien, Ärger mit der Familie, eine kleine Wohnung, mieser Job. In dieser Situation sieht er nur eine Chance – er muss sich mit Meike versöhnen. Andererseits fällt es Lukas immer schwerer, sich etwas vorzumachen. Aber wie soll man siegen, wenn das Selbstbewusstsein kaputt ist? Auch wenn es ihm schwer fällt – Lukas muss lernen, dass er sein Leben in den Griff kriegen muss. Selbst wenn dieser Prozess sehr schmerzhaft verläuft.

Darsteller


Remo Schulze («Verbotene Liebe») als Lukas
Klara Manzel («Im Angesicht des Verbrechens») als Meike
Charlotte Crome («Die unlösbaren Fälle des Herrn Sand») als Mutter
Charly Hübner («Blackout») als Vater
Julia Franzke («Heute heiratet mein Ex») als Anna
Bo Hansen («Rote Rosen») als Marius
Annika Blendl («Transit – Am Ende der Straße») als Sabine

Kritik


Das junge Präkariat kennt man in der Fiction dieser Tage hauptsächlich aus Produktionen wie «Berlin – Tag und Nacht» und dessen Spin-Off «Köln 50667», wo es einen, nun ja, eher sonderbaren Lebensstil abfeiert.

«Unkraut im Paradies» geht selbstverständlich andere Wege als die einer Fake-Doku. Regisseur Bartosz Werner zeigt von Anfang an, dass er sich nicht nur mit einem Minimallevel künstlerischen Anspruchs begnügen will; seine Produktion wirkt mit ihrer feingeistigen Figurenführung und der kunstvoll austarierten Ästhetik filmisch sehr ambitioniert. Durch die ausgeprägte Wortkargheit der Protagonisten, die präzise, manchmal etwas verspielte Kameraführung und die trotz der existentiellen Themen radikale Reduzierung der Konflikte auf das für die Figuren Erhebliche kann der Film seiner Ambition auch in weiten Teilen gerecht werden – und erinnert dabei zumindest visuell stark an einschlägige Werke der Nouvelle Vague.

Doch auch die (versuchte) Avantgarde ist vor Klischees nicht per se gefeit – und wenn die in einer derartigen Produktion zuschlagen, dann umso unangenehmer. In «Unkraut im Paradies» passiert das glücklicherweise niemals allzu penetrant, doch immer wieder versickert man dramaturgisch zu sehr in der Betrachtungsebene, wenn der Konflikt eigentlich an einem toten Punkt angekommen ist. Dann werden die Motive suggestiver, die Dialoge klischeehafter, was dem naturalistischen Ansatz zuwider läuft.

Ein Totalausfall wird allerdings nie daraus. Denn die spannende Ausgangssituation und die liebevolle Darstellung dieser beiden in ihrer Alltäglichkeit faszinierenden tragischen Helden erweist sich durchwegs als sehr tragfähig.

Neben dem starken Drehbuch und der präzisen Kameraführung beeindruckt insbesondere die weibliche Hauptdarstellerin Klara Manzel, die ihre Rolle wunderbar zerbrechlich, aber doch nicht mädchenhaft-naiv anlegt und so ohne Kitsch und Anbiederung die Sympathien der Zuschauer binden kann. Ihr Gegenpart Remo Schulze mag dabei auf den ersten Blick vielleicht ein wenig typegecastet wirken. Er offenbart jedoch sehr schnell eine erstaunliche Bandbreite, die man ihm in «Verbotene Liebe» im Leben nicht zugetraut hätte. Wenn das deutsche Kino, wie seine Pessimisten oft behaupten, ein Komposthaufen ist, so ist «Unkraut im Paradies» die Blume, die darauf wächst.

Das Erste zeigt die Kinoproduktion aus dem Jahr 2008 am Donnerstag, den 13. Juni um 23.15 Uhr.
10.06.2013 12:50 Uhr Kurz-URL: qmde.de/64253
Julian Miller

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