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Die Kritiker: «Der Bergdoktor: Eiszeit» (5x01)

Story


Dramatische Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – und kommen denkbar ungelegen. Denn eigentlich steht dem Bergdoktor eine Steuerprüfung ins Haus. Doch ein kleines Mädchen, Jasmin, ist in der Nähe eines Gletschers abgestürzt, und so werden Dr. Martin Gruber und sein Bruder Hans zur Bergrettung gerufen. Zu allem Überfluss ist die Mutter, Vera Seitz, beim eigenmächtigen Versuch, ihre Tochter zu retten, ebenfalls abgestürzt. Hans, Martin und die Kollegen von der Bergrettung müssen schnell handeln, denn die Wetterverhältnisse verschlechtern sich zusehends. Die Brüder seilen sich ab, als beim Versuch, Mutter und Tochter zu bergen, das Unfassbare geschieht. Vera rutscht den Abhang hinab und verschwindet spurlos in einer Gletscherspalte. Die Bergretter machen sich umgehend auf die Suche nach ihr, während Dr. Gruber sich erst einmal um Jasmin kümmert.

Zunächst ist Martin erleichtert, als er bemerkt, dass das Kind kaum verletzt ist, jedoch folgt rasch die Ernüchterung. Martin erfährt, dass Jasmin unter einer extrem aggressiven Form der Leukämie leidet. Einzig eine Knochenmarkspende könnte ihr Leben retten, doch dafür kommt nur ihre Mutter in Frage. So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Als Jasmin Martin von ihrer Tante Maria erzählt, der Schwester ihrer Mama, keimt neue Hoffnung auf. Er macht sich auf die Suche nach der Schwester, was sich überaus schwierig gestaltet.

Nicht unkompliziert ist auch die Situation in der Praxis: Der Steuerprüfer ist sauer, dass Martin mit permanenter Abwesenheit glänzt, und scheint auch gegen den weiblichen Charme von Fräulein Schneider immun zu sein. Martin ahnt Schlimmes, schließlich war die Buchhaltung noch nie sein Steckenpferd.

Allerdings scheint das jetzt alles zweitrangig zu sein. Es geht um Jasmin und ihre Mutter. Als Martin Veras hochschwangere Schwester Maria ausfindig macht, versucht er sie zu überreden, sich typisieren zu lassen. Vielleicht kann sie Jasmins Leben retten. Aber auch Vera wurde von Martin noch nicht aufgegeben. Verzweifelt macht er sich gemeinsam mit Hans trotz eines schweren Schneesturms noch einmal auf die Suche nach ihr.

Darsteller
Hans Sigl («Klarer Fall für Bär») ist Martin Gruber
Heiko Ruprecht («Seerosensommer») ist Hans Gruber
Monika Baumgartner («Ein Ferienhaus in Schottland») ist Lisbeth Gruber
Mona-Leen Schuller («Hopfensommer») ist Jasmin Seitz
Elena Uhlig («Die Wanderhure») ist Maria Lechner
Dirk Martens («SK Kölsch») ist Steuerprüfer Meyer
Sophia Thomalla («Die Trixxer») ist Nicole Schneider

Kritik
Es klingt schon interessant, wenn der Leiter des Vorabends im ZDF Klaus Bassiner sagt, dass er zwischen dem «Bergdoktor» und «House» keine nennenswerten Qualitätsunterschiede sieht, sondern lediglich einen anderen Fokus. Bei der ZDF-Serie gehe es nämlich mehr um persönliche Beziehungen und um genauere „Charakterzeichnungen“ als bei dem Format um den verschrobenen US-Arzt, das darauf vergleichsweise wenig Wert lege.

Wenn man sich die erste Folge der neuen Staffel des «Bergdoktors» angesehen hat, kann man über diese Aussagen jedenfalls nur den Kopf schütteln. Denn der Stoff wirkt von Anfang an viel zu forciert und konstruiert und ist durchgehend von massiven Logiklücken durchsetzt. Das wird schon bei der Eröffnung klar: Vera und ihre leukämiekranke Tochter Jasmin sind in der Nähe eines Gletschers abgerutscht; bei der Bergung läuft zunächst alles nach Plan. Bis Mutter Vera allerdings auf die glorreiche Idee kommt, ihren Sicherungsgurt zu lösen (ohne einen auch nur ansatzweise ersichtlichen Grund), woraufhin sie ZDF-gemäß noch weiter abrutscht und spurlos verschwindet. Das alles in Slow-Motion, versteht sich. Plausibilität scheint den Autoren Jens Maria Merz und Manfred Kosmann nebensächlich zu sein.

Was die viel diskutierte Figurenführung angeht, bietet sich einem leider kein besseres Bild. Mit dem unheimlich klischeehaft entworfen Steuerprüfer wird schnell und halbherzig ein Antagonist für unseren Helden zusammengebaut, während bei der Figur der Maria Lechner noch viel gravierendere Probleme auftreten: Sie hat zu ihrer nun verschollenen Schwester Vera und ihrer schwer kranken Nichte Jasmin schon seit Jahren jeglichen Kontakt abgebrochen, weil (Halten Sie sich fest!) Jasmin die Tochter ihres (also Marias) Ex-Mannes ist. Um die Sache zu problematisieren, ist Maria gerade hochschwanger, was eine Knochenmarkspende für ihre süße Nichte leider deutlich erschwert.

Der Plot versucht, sich zuzuspitzen, und landet schließlich bei dem Konflikt, wofür sich Maria entscheiden wird: für die Knochenmarkspende und dabei für ein hohes Risiko für ihr ungeborenes Kind – oder gegen die Knochenmarkspende, was der sichere Tod ihrer Nichte wäre? Das ist per se erst einmal eine interessante und dramatische Frage, doch der Handlungsstrang scheitert an der banalen Durchführung, die leider nur durch vollkommen klischeehafte Standard-Monologe vor sich geht und vor jeglicher wirklichen Tragik zurückschreckt. Man scheint hier vielmehr der Ansicht zu sein, Emotionen dadurch transportieren zu können, dass man in Großaufnahme in die Kamera heult. Erschwert wird das Problem noch durch die desaströse Leistung von Elena Uhlig, deren Spiel stets aufgesetzt und furchtbar kalkuliert daherkommt.

Die Spannung besteht hier aus einem eineinhalb Stunden langen Warten auf den Deus ex Machina, der dann auch prompt zehn Minuten vor Schluss einsetzt und das eigentlich unmögliche Happy End einläutet. Sogar die entfremdete Familie um Vera, Jasmin und Maria tuckert am Ende in trauter Dreisamkeit auf Martin Grubers Berghütte. Das Problem ist nicht einmal die ständige Süßlichkeit, die wenigstens die sehr fähige Mona-Leen Schuller sehr glaubwürdig inszeniert. Den dramaturgischen Todesstoß versetzen die zahlreichen Unplausibilitäten und die wenig nachvollziehbaren Handlungsmuster der Charaktere, die oft jeglicher Logik entbehren.

Dabei kann jedoch das Schauspielerensemble mit nur wenigen Ausnahmen überzeugen und das Drehbuch an manchen Stellen sogar noch halbwegs sinnvoll hinspielen. Hans Sigl versteht es recht gut, die Konflikte seiner Figur so vielschichtig darzustellen wie die dramaturgische Vorlage es eben zulässt, während Sophia Thomalla zwar manchmal ein wenig übereifrig wirkt, es als Comic Relief aber doch schafft, ab und an die Schwere herauszunehmen.

Doch letztlich gibt es bei der neuen Folge des «Bergdoktors» (Regie: Dirk Pientka) ohnehin keine wirkliche Tragik. In der heilen Welt des ZDF geht schließlich alles gut aus, was man bereits weiß, bevor die erste Sendeminute vorbei ist. Und da befindet sich das Drehbuch auch schon kurz vor dem Exitus.

Das ZDF startet die fünfte Staffel am Dienstag, den 03. Januar 2012, um 20.15 Uhr.
02.01.2012 11:57 Uhr Kurz-URL: qmde.de/54105
Julian Miller

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Tags

Der Bergdoktor

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