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Die Kino-Kritiker: «Die etwas anderen Cops»

Die exzellent besetzte Actionkomödie beginnt rasant, verschenkt aber einen Großteil ihres Potenzials.

Actionkomödien sind in Hollywood immer gern gesehen und vor allem auch zurzeit wieder schwer angesagt. Besieht man sich die Kinostarts der letzten Monate, scheint ein aktueller Trend des Genres darin zu bestehen, ein ungleiches Gespann aus Mann und Frau in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen. «Der Kautions-Cop» mit Gerard Butler («300») und Jennifer Aniston («Friends») in den Hauptrollen, «Kiss and Kill» mit Katherine Heigl («Grey’s Anatomy») und Ashton Kutcher («Butterfly Effect») oder das von Tom Cruise («Mission: Impossible») und Cameron Diaz («3 Engel für Charlie») getragene «Knight and Day» sind dabei wohl nur die prominentesten Beispiele. Mit «Die etwas anderen Cops» versucht Regisseur und Co-Autor Adam McKay nun aber dieser Strömung entgegenzuwirken, indem er zur Abwechslung ganz auf waschechte Buddy-Action setzt. Auch wenn er sein Projekt damit keineswegs völlig in den Sand setzt, kann das Endergebnis angesichts der vielversprechenden Voraussetzungen und der herrlich übertriebenen Anfangssequenz leider nur als enttäuschend bezeichnet werden.

Dreh- und Angelpunkt des Films sind die beiden grundverschiedenen New Yorker Polizisten Allen Gamble (Will Ferrell) und Terry Hoitz (Mark Wahlberg), die von ihrer Abteilung nicht sonderlich respektiert und ernst genommen werden. Aber auch der Rest ihrer Kollegen steht die meiste Zeit im Schatten der beiden draufgängerischen Cops Highsmith (Samuel L. Jackson) und Danson (Dwayne „The Rock“ Johnson). Als diese bei einem ihrer halsbrecherischen Einsätze überraschend ums Leben kommen, entbrennt unter den restlichen Detectives ein Kampf um die Nachfolge der beiden Gesetzeshüter. Da kommt es dem spießigen Allen und seinem zu Wutausbrüchen neigenden Partner Terry gerade Recht, dass sie in einen milliardenschweren Betrugsfall hineinstolpern. Gemeinsam wollen sich die verspotteten Ermittler endlich beweisen.

«Die etwas anderen Cops» ist erst der vierte Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs und Autors Adam McKay und zugleich auch der vierte, in dem sein langjähriger Freund Will Ferrell die Hauptrolle übernahm. So haben die beiden bereits eine Zeit lang bei der Comedyshow «Saturday Night Live» zusammengearbeitet, bevor sie gemeinsam die Komödien «Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy» (2004), «Ricky Bobby - König der Rennfahrer» (2006) und «Die Stiefbrüder» (2008) realisierten und zwischendurch schließlich auch ihre eigene gemeinsame Produktionsfirma gründeten, mit der sie nun auch ihr neuestes Projekt finanziert haben. Dieses ist daher nun in seinen Dialogen und dem grundlegenden Humor auch spürbar auf Komiker Ferrell zugeschnitten, wodurch dem Zuschauer einige allzu oft ins Alberne abrutschende Spitzen nicht erspart bleiben. Doch der Reihe nach.

Zu Beginn fackelt «Die etwas anderen Cops» nicht lange. In einer furiosen Verbrecherjagd geben die ersten Minuten des Films ein äußerst hohes Tempo und einen ebenso großen Unterhaltungswert vor. Die maßlos überzogene Sequenz nimmt in schneller Abfolge gekonnt einige Klischees des Actiongenres auf die Schippe und stellt damit vor allem auch gleich die beiden (zunächst) unverwundbar scheinenden Supercops Highsmith und Danson vor, die wunderbar selbstironisch von Samuel L. Jackson («Pulp Fiction») und Dwayne „The Rock“ Johnson («The Scorpion King») verkörpert werden. Die Grundlagen für eine spaßige und treffsichere Actionkomödie scheinen somit gelegt zu sein. Leider geht dem Film aber schon bald regelmäßig die Puste aus. Während er mit der Einführung der eigentlichen Hauptfiguren und einem aufschlussreichen Dialog über hypothetische Auseinandersetzungen zwischen Löwen und Thunfischen noch durchaus punkten kann, schleichen sich im weiteren Verlauf einige Längen ein. Das anfangs so hohe Tempo kann nicht mal annähernd über den Großteil des Films gehalten werden. Zumal die Actionsequenzen unterm Strich doch recht rar gesät sind. Und auch die Gags zünden später aufgrund eines suboptimalen Timings nicht durchgehend. Zahlreiche Pointen werden unnötig in die Länge gezogen und derartig ausgewalzt, dass sie am Ende eher anstrengend als witzig wirken. So wandert die Komödie die meiste Zeit auf einem schmalen Grat zwischen sympathisch-skurrilem Humor und nervigen Albernheiten, wobei dieser leider allzu oft zu letzteren hin überschritten wird. Hardcorefans von Will Ferrell dürften aber selbst daran noch ihre Freude haben.

Etwas schlimmer sieht es da schon bei der Geschichte aus. Zwar sind von primär auf Action und Humor getrimmten Produktionen sicherlich nur selten Höhenflüge in Sachen Plot zu erwarten, doch haben andere Genrevertreter wie «Lethal Weapon» (1987) oder der grandiose «Hot Fuzz» (2007) zweifellos bewiesen, dass auch Actionkomödien packende Storys erzählen können. Die Handlung von «Die etwas anderen Cops» kann nun zwar mit dem ebenfalls gelungen besetzten und für einige zusätzliche Lacher sorgenden Steve Coogan («Tropic Thunder») aufwarten, ist ansonsten aber kaum der Rede wert. Auch eine gut funktionierende Wendung gegen Ende macht sie da nicht mehr interessanter, wird sie doch die meiste Zeit viel zu schleppend und ohne große Highlights präsentiert. Dabei versteht Adam McKay selbst seine Produktion scheinbar als ernstzunehmende Wirtschafts- und Arbeitslohnkritik, wie der Abspann später vermuten lässt. Ähnlich geartete satirische Spitzen lässt der eigentliche Film jedoch fast gänzlich vermissen, sodass die mit erhellenden und wahrheitsgemäßen Informationen gefüllten Credits am Ende nicht wirklich zum Rest des Werks passen wollen.

«Die etwas anderen Cops» schöpft insgesamt also nicht ganz aus dem Vollen. Angesichts der gelungenen Besetzung, witziger Figurenkonstellationen sowie fesselnden und gagreichen ersten Minuten wird man das Gefühl nicht los, dass hier einiges an Potenzial verschenkt wurde. Dennoch sorgen ein paar gelungene Einfälle und das unterhaltsame Zusammenspiel der gut besetzten Protagonisten für ein wenig Kurzweil inmitten einer eher langatmigen Geschichte. Somit eignet sich die Actionkomödie im Großen und Ganzen eher für einen netten DVD-Abend als für einen kostspieligen Kinobesuch.

«Die etwas anderen Cops» ist seit dem 14. Oktober in vielen deutschen Kinos zu sehen.
15.10.2010 11:00 Uhr Kurz-URL: qmde.de/45209
Markus Trutt

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