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«Drop Dead Diva»: Prämisse und Wahrheit

Model im Körper korpulenter Anwältin - Wird Altbewährtes endlich achtbar? Ein Review der ersten Episode.

Josh Berman darf sich nach all den Jahren der harten Arbeit glücklich schätzen. Zwar war seine Arbeit an «Crime Scene Investigation» zu keinem Zeitpunkt von seiner Pechsträhne betroffen, doch eigens erdachte Serien standen bis zum Erfolg von «Drop Dead Diva» nie in der Gunst des Publikums. «Deviant Behavior» wurde in «Killer Instinct» umbenannt und verschwand nach neun von 13 hergestellten Episoden von der Bildfläche. Ebenfalls für die Fox Broadcast Company kreierte Berman die Serie «Vanished», die gleichermaßen nach lediglich 13 Folgen zu Grabe getragen wurde. Auch die Körpertausch-Dramedy wurde für genannte Sendeanstalt produziert, wechselte letztlich allerdings zum so betitelten Frauenkanal Lifetime, der mit der ersten Staffel in ein Quotenglück verfiel und ein quotentechnisch schwaches Jahr beruhigend ausklingen ließ.

Das Erfolgsmotiv der «Drop Dead Diva» liegt auf der Hand. Es handelt sich um eine stereotypische Einigung der Genres Drama und Comedy, die das Unmögliche in den Mittelpunkt der Story setzt und im Folgenden mit kennzeichnenden Elementen zu unterhalten gedenkt. Berman war mit dieser Idee wohl zur rechten Zeit am rechten Ort, denn Neues bietet zumindest der Auftakt der dreizehnteiligen Staffel keineswegs. Trotz dieser Tatsache hat man das Schema fehlerfrei genutzt. Der Bezahlsender FOX strahlt «Drop Dead Diva» seit Beginn der Woche jeden Montagabend aus. Das Erste, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind Stimmen. Stimmen von Synchronsprechern, die überpräsent sind, die man inzwischen viel zu oft und allerorts vernimmt. Doch nach bereits kurzer Zeit hat man sich an das Bekannte gewöhnt und folgt der Geschichte um so aufmerksamer.

Deb Dobson ist ein aufsteigendes Model der Branche und mit ihrem Freund Grayson mehr als glücklich, während Jane Bingum, eine angesehene Anwältin mit Übergewicht und Stoffwechselproblemen zu kämpfen hat. Während Deb ihr Leben bei einem selbst verschuldetem Verkehrsunfall lassen muss, wird Jane von einem unzurechnungsfähigem Klienten ihres Cheffs angeschossen. Das oberflächliche Laufstegbiest findet sich in einer Zwischenwelt wieder, in der die Auswertung ihres Tuns auf Erden entscheidet, ob sie in die Hölle oder den Himmel einkehrt. Deb ist mit der Situation gänzlich unzufrieden und überlistet den Torwächter Fred kurzerhand, indem sie die Return-Taste betätigt, die sich zurück ins Leben befördert – Allerdings im Körper von Jane.

“Ich mach' mir Sorgen um dich.“ - “Ich mach' mir Sorgen um Afghanistan.“ Jane ist tot. Lang lebe Jane. Das inhaltlose Topmodel Deb behält die eigene Seele und deren Erinnerungen, kann jedoch den Intelligenzquotentien der verstorbenen Juristen ebenfalls nutzen – Abgesehen von dieser wenig störenden Ungereimtheit hat man sich mit der rasanten Tour durch das Fegefeuer und zurück einen wahren Gefallen getan: Dem Zuschauer wird keine Sekunde langweilig. Wie Deb den zuständigen Fred ohne zu Zögern mit sexuellen Gefälligkeiten besticht, um den lodernden Qualen zu entgehen, ist zudem überaus amüsant, ebenso wie der weitere Verlauf der Erzählung. Die Tatsache, dass Jane Opfer einer Kugel wurde, klärt augenblicklich die Frage nach dem Warum. Warum erinnert sich Jane an so vieles nicht mehr? Der ein oder andere Mitarbeiter mag sich zwar wundern, aber Amnesie auf Grund des erlittenen Schocks ist eine definitve Antwort.

Der Serie kommt zu Gute, dass die Darsteller weitgehend unbekannt sind. Die Namen Brooke Elliot, Kate Levering oder Jackson Hurst werden zumindest den Deutschen kein Begriff sein. Lediglich April Bowlby, die Debs Freundin Stacey verkörpert, könnte durch die Rolle der Kandi in der Sitcom «Two and a Half Men» einen gewissen Bekanntsheitsgrad erreicht haben. Die Schauspieler agieren demnach ohne den Druck einer Charakterisierung völlig frei. Ein weiterer Punkt ist die Leichtigkeit, mit deren Hilfe die Entwicklung voran getrieben wird. Torwächer Fred wird nach seiner Unaufmerksamkeit zum Schutzengel degradiert und als Bürobote ins Janes/Debs Kanzlei engagiert. Obwohl er der Abtrünnigen verdeutlicht, dass niemand von ihrem Schicksal erfahren darf, erzählt es diese ihrer Freundin Stacey, womit der typische Mitwisser geboren ist. Dass Debs große Liebe Grayson ebenfalls ein neuer Angestellter der Agentur ist, wirkt zum Teil etwas erzwungen, aber da es zu Lebzeiten des Models bereits erwähnt wurde, ist es zu verschmerzen und verleiht der Sendung den in Zukunft nötigen Schwung.

Nicht zu vergessen ist das Gerichtswesen, immerhin dreht es sich um eine amerikanische Anwaltsserie. Auch hier wird nichts Unbekanntes geliefert, nur solide Rechtsstreiterkost. Die erste Folge, die den ironischen Titel "Ein Model vor Gericht" trägt, kann auch in diesem Aspekt überzeugen. Bei «Drop Dead Diva» lässt sich für viele Interessierte etwas finden: Das Übernatürliche, die Anwaltshow und das Liebesdreieck. Mit einem Bruchteil an Enthusiasmus und der richtigen Erwartungshaltung wird man kaum enttäuscht werden. Josh Berman darf sich nach all den Jahren der harten Arbeit glücklich schätzen.

Dieser Artikel erschien erstmals im Januar 2010 zur deutschen TV-Premiere beim Bezahlsender FOX.
22.08.2011 09:30 Uhr Kurz-URL: qmde.de/39396
Marco Croner

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