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Clubhouse - App der Zukunft oder nur eine Blase?

Eine App dominiert derzeit die Medien: Clubhouse. Ist das nur eine Blase und wie sehen die Chancen dieses Klubs aus?

Noch vor zehn Tagen war „Clubhouse“ wohl nur den Tech-Experten Deutschlands ein Begriff. Im Rest des Landes wurde mit dem Begriff höchstens die nahe Dorfkneipe bezeichnet - eine App, die die Welt verändern könnte, war da noch nicht in Sicht. Innerhalb weniger Tage hat die Clubhouse-App nun aber einen fast beispiellosen Hype erlebt. In Deutschland wurde sie mittlerweile häufiger heruntergeladen als Telegram. In der Liste der kostenlosen Apps liegt sie hinter WhatsApp bereits auf dem zweiten Rang.

Doch was genau hat es mit der App auf sich und wie könnte sich die zukünftige Entwicklung darstellen?

Was genau ist Clubhouse?
Clubhouse ist eine Social-Network-App, die im Jahr 2020 in den Vereinigten Staaten gegründet wurde - und zwar von dem Softwareunternehmen Alpha Exploration Co.. Es handelt sich dabei um eine Audio-Plattform. Dabei können Menschen in virtuellen "Räumen" zusammenkommen und dort live miteinander diskutieren. Bislang ist die Nutzung ausschließlich für iPhone-Nutzer möglich. Sozusagen ist Clubhouse eine Art Stammtisch eines Lokals, in der jeder seine ungefilterte Meinung sagen kann, sofern er einen Platz am begehrten Tisch bekommt. Wie im Vereinsheim arten die Gespräche zuweilen stark aus.

Außerdem benötigt man eine Einladung, um die App nutzen zu können. Das ist für ein soziales Netzwerk äußerst ungewöhnlich und in dieser Form sogar einmalig. Einladungen können Interessierte nur von bereits registrierten Nutzern erhalten. Sobald die Registrierung abgeschlossen ist, können Nutzer der App neue "Räume" eröffnen. Diese können sie öffentlich halten oder auch nur mit Freunden diskutieren. Außerdem können die User in alle öffentlichen Räume eintreten und zuhören. Sie können auch signalisieren, dass sie gerne mitdiskutieren wollen. Die Erlaubnis dazu können Nutzer erteilen, die in der Rolle von Moderatoren der Diskussion fungieren.

Clubhouse spaltet die Gesellschaft
Der Hype, den Clubhouse entfachte, wurde von einem Auftritt von Bodo Ramelow in einer der Diskussionen der App noch befeuert. Der Ministerpräsident von Thüringen hatte die Kanzlerin Angela Merkel dabei als "Merkelchen" bezeichnet, was hohe Wellen schlug. Gerade die Presse, die Angela Merkel den Spitznamen „Mutti“ gab, macht sich hier allerdings extrem angreifbar. Spätestens seit Ramelows Auftritt ist die Gesellschaft bezüglich der neuen App gespalten. Einige Menschen sehen Clubhouse schon als eine App der Zukunft, andere glauben, dass sie Gefahren birgt und der Gesellschaft nicht guttun könnte.

Zentrum der Kritik ist dabei unter anderem die Sicherheit in der App. In den USA ist sie schon etwas länger auf dem Markt und es machten immer wieder Meldungen die Runde, wonach Beleidigungen und rassistische Hetze in dem Netzwerk kaum zu verhindern sei und außerdem nicht verfolgt wird. Dem wollen sich die Entwickler widersetzen, in dem sie eine Art Sicherheitssystem schaffen. Es soll jedes gesprochene Wort mitgezeichnet und bei Beleidigungen und anderen verdächten Worten soll ein Alarm ausgelöst werden.

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob wirklich jedes Gespräch zeitnah überprüft werden kann - gerade wenn die App derart viele Nutzer gewinnt, wie es derzeit der Fall ist. Was ist also, wenn in einem Raum rechte Hetze verbreitet wird oder gar ein Terroranschlag geplant wird? Eine Antwort darauf kann jetzt noch nicht gegeben werden. Sicher ist jedoch, dass ein derartiges Netzwerk eine Gefahr in diese Richtung bergen, die nur durch funktionierende Warnsysteme und eine gute Kontrolle minimiert werden können. Momentan scheint das noch nicht der Fall zu sein.

Der Umgang mit Hassreden, Beleidigung und Radikalen könnte einer der wichtigsten Faktoren dabei sein, ob Clubhouse sich über Jahre hinweg etablieren kann.

Welche Chancen bietet Clubhouse?
Clubhouse scheint den Nerv der Zeit zu treffen. Podcasts wurden währen der Corona-Pandemie immer wichtiger und die App bietet praktisch Live-Podcasts an, bei denen auch noch selbst mitdiskutiert werden kann. Zudem ähnelt sie dem erfolgreichen Instagram live - bloß ohne Bild.

Großes Potenzial kann auch dabei gesehen werden, dass der Netzwerk-Gedanke bei der App allgegenwärtig ist. Damit stellt sie ein Gegenstück zu einer klassischen Talkshow dar. Clubhouse ist für den Moment an sich geschaffen und für die Menschen, die in diesem Moment dabei sind. Danach kann die Diskussion nicht hoch und runtergespielt werden, wie ein Video.

Potenzial könnte auch in der Aufmachung liegen, die sich deutlich von denen anderer sozialer Netzwerke wie Facebook und Instagram unterscheidet. Es gibt keine Likes zu verteilen und es kann auch nichts geteilt werden. Dadurch könnte Clubhouse sozialer erscheinen, als so viele andere große soziale Netzwerk. Außerdem könnte die App ein wichtiges Werkzeug für die Politik und die Gesellschaft allgemein darstellen. Durch die Diskussionen kann ein Stimmungsbild eingefangen werden - wie denkt die Bevölkerung über dies oder jenes?

Ein weiteres Plus: Clubhouse erlaubt Multitasking - ein weiteres Indiz dafür, dass die App gut in unsere Zeit passen könnte. Diskussionen kann man auch beim Spazierengehen oder beim Sport hören.

Ist alles nur eine Blase?
Nach dem Hype stellt sich vor allem die Frage, ob Clubhouse ein Dauerbrenner ist, oder sich alles rund um die App nur als Blase herausstellt. Oder anders gefragt: Ist Clubhouse bald für viele Menschen unverzichtbar wie beispielsweise WhatsApp? Als WhatsApp auf den Markt kam, hätte wohl kaum jemand geahnt, wie der Messanger unser Leben einmal bestimmen wird. Gleiches könnte für Clubhouse gelten, es könnte allerdings auch das Gegenteil eintreffen.

Momentan haben sich mit Dunja Hayali, Thomas Gottschalk und anderen Prominenten schon einige Personen der Öffentlichkeit als Fans von Clubhouse geoutet. Es stellt sich die Frage, ob die App in Zukunft tatsächlich wichtige Politiker, Schauspieler, Geschäftsleute und Köpfe aus anderen Branchen zusammenbringen kann, die tatsächlich Diskussionen von gesellschaftlicher Relevanz liefern können. Es gibt allerdings schon jetzt viele Kritiker, die daran zweifeln, dass Clubhouse einen Gewinn für die Politik und die Demokratie darstellt. Sie verweisen auch darauf, dass es sich um einen "exklusiven Klub" handelt. Mitmachen darf nur, wer ein iPhone besitzt und eine Einladung ergattern konnte. Ein Problem könnte auch darstellen, dass bei der App privates und öffentliches verschwimmt.

Der heikelsten Punkte sind aber wohl die Themen Hassrede und Rassismus - und alles, was dazugehört. Können diese unschönen Dinge von der App ferngehalten werden? Diese Faktoren werden wohl darüber entscheiden, ob sich Clubhouse durchsetzen kann. Außerdem muss sich die App auf kurz oder lang für die breite Öffentlichkeit öffnen. Ansonsten fällt es schwer sie als eine Bereicherung für Demokratie, Politik und Unterhaltung zu sehen und der Hype um Clubhouse könnte sich nur als eine große Blase herausstellen. Darüber hinaus gibt es für Clubhouse noch kein Finanzierungsmodell. Können Unternehmen exklusive Räume anbieten? Wird Werbung bald kommen? Oder ist der Clubhouse-Hype sowieso im Frühjahr vorbei, wenn die Menschen lieber an die frische Luft gehen statt in ihrer Wohnung zu sitzen?
29.01.2021 10:43 Uhr Kurz-URL: qmde.de/124450
Sebastian Schmitt

super
schade


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Tags

Clubhouse

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Neo
29.01.2021 15:44 Uhr 1
Naja, die App ist auch nicht viel wilder und gefährlicher als alle anderen sozialen Netzwerke.



Die Umsetzung ist schon toll und man könnte da auch richtig was daraus machen, aber leider ist das eben sehr elitär und so pushts dann vorwiegend nur diejenigen, die eh schon Reichweite haben. Leider kam von denen bisher aber auch nichts allzu dolles. Das ganze Gerede ist eher anstrengend, gerade wenn die Journalisten, Politiker, Influencer usw. schon eine Flasche Wein im Kopf haben.



Und es ist ja wohl ein Unterschied, ob ein Ministerpräsident "Merkelchen" sagt oder die Medien einen Namen droppen. Zumal "Merkelchen" wesentlich despektierlicher ist, da Verzwergung. Hätte das mal ein Lindner oder Merz gedroppt, dann hätte Twitter aber so richtig gebrannt.
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