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«Cobra Kai» auf Netflix – «Karate Kid» Fans aufgepasst! Diese Serie muss man gesehen haben

«Cobra Kai» ist nicht nur ein einfacher Neuaufguss der 80er-Jahre Kultreihe «Karate Kid», sondern darüber hinaus eine geniale und spaßige Fortsetzung mit jeder Menge Action und Humor.

Wer ist in den 80er Jahren aufgewachsen und erinnert sich nicht freudig an die Teeniefilm-Hitreihe «Karate Kid» ? Figuren wie Daniel LaRusso (Ralph Macchio), Mister Miyagi (Pat Morita) und Johnny Lawrence (William Zabka) spuken vielen Kids von damals ohne Zweifel auch heute noch im Gedächtnis herum. Was aber ist aus den jungen Helden von damals geworden? Drei Fortsetzungen, eine Zeichentrickserie und ein generisches Remake im Jahr 2010 mit Jackie Chan und Jaden Smith zog das von Robert Mark Kamen erdachte Franchise nach sich. Aber erst 2018 wagte er sich gemeinsam mit Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg endlich an eine Fortsetzung.

Von YouTube zu Netflix


Zunächst landeten die zehn 30-minütigen Folgen der ersten Staffel als Original als Original YouTube Red. Der große Erfolg für den vermeintlichen Netflix-Konkurrenten blieb allerdings aus und so erreichten die neuen Abenteuer von Daniel und Johnny nie das große Publikum, dass diese Serie sich redlich verdient hätte. Ende August 2020 zogen die beiden bislang veröffentlichen Staffeln endlich bei Netflix ein. Und das ist gut so. Denn was das Produzenten- und Autorentrio aus der Taufe gehoben hat, ist mehr als nur das tumbe Ausschlachten einer Kultfilmreihe. Sicherlich: Remakes und Reboots liegen im Trend und die großen Studios lassen es sich da natürlich nicht nehmen, alle möglichen Lizenzen, die auch nur im Ansatz erfolgversprechend sein könnten, aus der angestaubten Mottenkiste zu zaubern. Dass es aber ausgerechnet eine Show wie «Cobra Kai» schafft, nicht nur einfach den altbekannten Stoff rund um Daniel LaRusso lauwarm aufzubrühen, sondern vielmehr eine tolle Geschichte mit Humor, Charme, cooler Action und jeder Menge Flair zu erzählen, ist schon mehr als nur eine mittelgroße Überraschung.

Alles andere, als angestaubt


Statt sich einfach nur ein paar Jungschauspieler aus dem hollywood’schen Talentpool herauszufischen und ihnen ungelenk die Namen der Hauptfiguren überzustülpen, setzt der Plot 34 Jahre nach den Ereignissen aus «Karate Kid» an. Daniel LaRusso (wieder von Ralph Macchio verkörpert) und Johnny Lawrence (Wiliam Zabka) leben noch immer im San Fernando Valley in Kalifornien. Während Daniel aber ein glückliches und erfolgreiches Leben als Autohändler führt, ist sein einstiger Erzrivale zu einem Trinker geworden und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Johnnys Leben nimmt erst wieder eine positive Wendung, als er eines Abends seinem jungen Nachbarn Miguel aus der Patsche hilft, der gerade von einer fiesen Bande neureicher Kids verprügelt wird. Das ungleiche Paar freundet sich an und nach einer Weile entschließt sich Johnny, den Einwandererjungen in Karate zu unterrichten und ihm den Weg der Faust zu lehren. Johnny eröffnet die Cobra-Kai-Karateschule neu und schnell zeigt sich, dass der alte Wahlspruch, „Strike First, Strike Hard, No Mercy“ (schlag zuerst, schlag hart, keine Gnade) durchaus noch immer seinen Wert hat. Nach einer erneuten Prügelei in der Schule, die Miguel dank seines Karateunterrichts für sich entscheiden kann, strömen dem Dōjō vor allem Kids zu, die in der Schule gemobbt, geschlagen und gequält wurden. Johnnys Bootcamp artige Methode kommt gut an und verändert nicht nur seine Schüler, sondern auch ihn selbst.

Doch an der alten Rivalität zwischen ihm und Daniel hat sich nichts geändert. Immer wieder rasseln die beiden aneinander und Daniel versucht, seinem ehemaligen Kontrahenten Steine in den Weg zu legen, wo es nur geht. Die alte Feindschaft der beiden findet ihren ersten Höhepunkt im alljährlichen All-Valley-Karatetournier, in dem nicht nur Johnnys Schüler, sondern auch Daniels Protegé antritt – und der ist niemand anderes als ausgerechnet Johnnys Sohn Robby.

Und Action bitte!


Was zunächst wie ein Neuaufguss der alten Story mit umgekehrten Vorzeichen klingt, entpuppt sich schnell als eigenständige und geniale Fortsetzung. Die Serie greift nicht nur das leider allgegenwärtige Thema Mobbing und Cybermobbing geschickt auf, sondern präsentiert vor allem den Protagonisten Johnny Lawrence als vielschichtige Persönlichkeit, der es weniger um Rache an ihrem ewigen Widersacher geht. Vielmehr liegen dem Karate-Ass seine Schüler wirklich am Herzen und in mehr als einer Situation bemerkt Johnny, dass sein Weg der Härte auch in eine Sackgasse führen kann, aus der es irgendwann kein Entkommen mehr gibt. Bei aller Dramatik, die sich gerne auch mal mit ein wenig Teeniedrama mischt, kommt aber auch der Humor nicht zu kurz. Jede Folge haut vornehmlich in den ersten fünf Minuten einen witzigen und überraschenden Gag heraus, der ein ums andere Mal beweist, dass sich «Cobra Kai» trotz seiner dramatischen Anklänge selbst nicht zu ernst nimmt. Schön ist zudem, dass sich die Autoren trauen, bisweilen auch mal mit derbem Humor auf die in heutigen Produktionen allgegenwärtige Political Correctness einzudreschen.

Da weigert sich Johnny beispielsweise, ein Mädchen zu unterrichten, bis dieses mal eben einen Musterschüler mit einem wütenden Angriff auf die Bretter schickt. Ein anderes Mal gibt Lawrence seinem Schützling pubertierende Tipps dazu, wie er seinen Schwarm ergattern könnte oder nennt seine Schüler „Pussys“. Die Serie teilt derartige Seitenhiebe in Richtung so manch glatt gebügelter Hochglanzproduktion fast schon genüsslich, aber nicht ohne Sinn und Verstand aus. Oft unterstreichen die Autoren damit den wunderbaren Retro-Charme, der mit coolem 80’s Rock, alten Autos und anderen Gimmicks immer wieder hervorgekramt wird und der Serie ein ganz besonderes Flair verleiht.

Fazit: Klasse! William Zabka und Ralph Macchio haben in den vergangenen 30 Jahren weder etwas von ihren Kampfkünsten, noch von ihren schauspielerischen Fähigkeiten verlernt. Vor allem Zabka zeigt eine Bandbreite, die man ihm als wütendes Cobra-Kai-Kid von 1984 so gar nicht zugetraut hätte. Doch auch Macchio kennt seine Moves noch immer aus dem „ff“ und zeigt in der Serie sein ganzes Talent. Mit Xolo Maridueña und Tanner Buchanan haben sich Overbrook Entertainmet und Sony Pictures Television zudem zwei Jungtalente an Land gezogen, die die Serie tatsächlich aufwerten und die alte Rivalität zwischen Johnny und Daniel auf ein neues Level heben. Im Zusammenspiel mit den vielen tollen und routiniert gedrehten Kampfszenen, gefühlvoll eingebauten Reminiszenzen an das Original und einer großen Portion augenzwinkerndem 80er-Feeling wird «Cobra Kai» zu einer Serie, die man als Fan einfach gesehen haben muss.

Die ersten beiden Staffeln von «Cobra Kai» können auf Netflix abgerufen werden. Eine dritte Staffel ist bereits bestätigt und soll 2021 ebenfalls zu Netflix kommen. Über die vierte Staffel verhandelt Sony bereits mit Netflix.
08.09.2020 12:30 Uhr Kurz-URL: qmde.de/121154
Reinhard Prahl

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Cobra Kai Karate Kid

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