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Quo vadis, «Batwoman»?

Mit Javicia Leslie erwartet uns in der zweiten Staffel von «Batwoman» die erste schwarze und bisexuelle Hauptdarstellerin in einer Superheldenserie. Doch schlagen Caroline Dries und Greg Berlanti damit wirklich ein neues Kapitel in der stark kritisierten Serie auf?

Miese Kritiken


Greg Berlantis und Caroline Dries‘ neueste Arrowverse-Inkarnation «Batwoman» gehört zu den am kontroversesten diskutierten Serien der vergangenen Monate. Auf die Begeisterung über den Mut, mit der rothaarigen Fledermausfrau endlich eine LGBTQ-Figur in den Fokus einer Superheldenserie zu rücken, folgte bald Ernüchterung. Die Quoten waren unterirdisch, die Kritiken in großen Teilen vernichtend. Auf Metacritic erreichte die Show bei den Kritikern nur einen Score von 59 Prozent. Beim Publikum sackten die Werte sogar bis auf katastrophale 1,6 ab. IMDB vergibt auf Basis von rund 27.500 Bewertungen nur 3,5 Sterne und auf Rotten Tomatoes erreicht die erste Staffel bei den Kritikern inzwischen zwar ansehnliche 79 Prozent - basierend auf 49 Kritiken. Doch auch hier fällt die Serie beim Publikum mit nur 13 Prozent positiver Meinungen durch. „Da ist noch viel Luft nach oben. In den ersten Folgen nimmt «Batwoman» nur schwer Fahrt auf“, schrieb der Autor dieses Artkels über die neue Serie.

Aufgeben gilt nicht


Dass eine blass in Szene gesetzte Hauptfigur, hölzerne Dialoge, langweilige Antagonisten und ein wenig differenziert präsentiertes Männerbild Folgen haben würden, war abzusehen. Am 19. Mai 2020 platzte die Bombe: Ruby Rose stieg aus. Zu den Gründen äußerte sich die Mimin zunächst nicht. Rose bedankte sich artig bei Warner Brothers und dem Team von Greg Berlanti, legte ihre rote Perücke ab und verließ die Bathöhle für immer. Lediglich ihr auf Instagram veröffentlichter kryptischer Satz: „Diejenigen, die es wissen, wissen es“ wies darauf hin, dass auch hinter den Kulissen nicht alles grasgrün gewesen sein kann.

Nun Ist Greg Berlanti kein Mann, der so schnell aufgibt und auch Caroline Dries möchte die ehrenvolle Aufgabe, endlich mehr Gay-Character als Hauptfiguren in Serien und Filmen zu etablieren, weiter vorantreiben. Tatsächlich sind schwule, lesbische oder Transgenderfiguren in Film und Fernsehen heute an sich keine so große Seltenheit mehr. Die beliebte «Star Trek»-Serie «Discovery» hat beispielsweise mit Anthony Rapp als Lieutenant Commander Paul Stamets und Wilson Cruz als Doctor Hugh Culber zwei schwule Schauspieler gecastet, die sehr erfolgreich als liebevolles Ehepaar auftreten und die Herzen der Fans im Sturm eroberten. Lesbische Figuren finden sich unter anderem in der inzwischen leider abgesetzten Fantasyserie «Shannara Chronicles», in J. Michael Straczynskis Netflix-Original «Sense 8» oder in «The 100». Und die Transgenderfrau Eve Lindley erntet derzeit großes Lob für ihre Rolle als Simone in Jason Segels ebenso mutiger wie schöner Anthologie-Show «Dispatches from Elsewhere». Dennoch. Ein offen queer lebender Schauspieler, der eine entsprechende Hauptfigur in einer großen Serie spielt, ist auch heute noch eher ungewöhnlich, vor allem im großen Kreis der Superheroes und -heroinen.

Batwoman ist nicht gleich Batwoman


Insofern fiel Ruby Rose eine schwere Aufgabe zu und es bleibt anzumerken, dass sich die massive Kritik an der Serie weniger an ihrer Person, als mehr an den schlechten Drehbüchern der ersten Folgen entzündete. Ein letztlich langweiliges Familiendrama in Seifenoper-Manier, das künstlich auf Actionserie aufgeplustert wurde, zieht nun einmal Kritik nach sich. Und wenn selbst Standalone-Folgen wie die Nummer vier in der Reihenfolge mit einer dümmlichen Meisterdiebin namens Magpie (zu Deutsch: Elster) aufwarten, fördert dies auch nicht gerade die Sympathien des Publikums.

Wie soll es aber nun weitergehen? Batwoman einfach sterben zu lassen und sich damit die Blöße einer ungeschickten Bury-your-Gaycharacter-Lösung zu geben, kam glücklicherweise von Anfang an nicht in Frage. Am 9. Juli 2020 präsentierte das Produktionsteam endlich eine annehmbare Lösung. Kate Kane verschwindet nicht einfach von der Bildfläche, sondern überträgt die Bürde der Beschützerin von Gotham City an die von Javicia Leslie gespielte Ryan Wilder. Die international noch relativ unbekannte Schauspielerin kommt in einem offiziellen Statement des Senders The CW auch selbst zu Wort: „Ich bin unglaublich stolz, die erste schwarze und bisexuelle Frau zu sein, die Batwoman spielt. Ich fühle mich sehr geehrt, Teil dieser bahnbrechenden Show zu sein, die ein so großer Wegbereiter für die LGBTQ+-Gemeinde darstellt.“

Außerdem ließ The CW noch verlauten, dass die neue schwarze Ritterin weder viel mit ihrer Vorgängerin gemeinsam hat, noch dem typischen weiblichen Superheldenklischee entspricht. Ryan Wilder soll eine drogenabhängige Ex-Elitekämpferin sein, die ihr Dasein in einem Van fristet, bis sie als Batwoman ihre Bestimmung findet. Der Background kommt Serienfans eventuell nicht ganz unbekannt vor. Die Hitserie «Star Trek: Picard» führte mit der von Michelle Hurd brillant gespielten ehemaligen Sternenflottenoffizierin Raffi Musiker erst kürzlich eine Figur mit einer fast identischen Vergangenheit ein. Schriftstellerisch innovativ ist die Hintergrundstory der neuen Fledermausfrau also offensichtlich nicht.

Hürden überwinden


Ob der Writers Room es schafft, sich neu zu erfinden und einige der selbst aufgestellten Hürden zu überwinden, bleibt abzuwarten. Mit Javicia Leslie haben Greg Berlanti und Caroline Dries alle Mittel in der Hand, Publikum und Kritiker mit «Batwoman» zu versöhnen. Doch zunächst gilt es, ein geschickteres Storytelling mit stärkeren Gegenspielern, spannungsgeladenen Plots und einem etwas differenzierteren Blick auf alle Lebensweisen und sexuelle Orientierungen aufzubauen. Denn wie es aussieht, ist nicht die mangelnde Akzeptanz eines eigentlich coolen homosexuellen Maincharacters im Arrowverse das Problem, sondern die Haltung des Produzentenduos. Ob Caroline Dries und Greg Berlanti es schaffen, in sich zu gehen und sich dramaturgische und inhaltliche Fehler einzugestehen, bleibt abzuwarten.

«Batwoman» in Deutschland


In Deutschland stehen auf Amazon Prime seit dem 24. Juli 2020 endlich alle 20 gedrehten Folgen zur Verfügung. Warum sich die Ausstrahlung verzögert hatte, ließen weder The CW, noch der Streamingdienst verlauten. Es liegt aber nahe, dass die Fertigstellung der Synchronisation ins Hintertreffen geraten war. Die deutsche Synchrondatei listet aktuell immer noch nur zehn Folgen auf. Allerdings hat sich die Interopa Film in Berlin auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Im direkten deutsch/englischen Vergleich fällt schnell auf, dass man mit Julia Vieregge kaum eine unpassendere Stimme für Ruby Rose finden hätte können. Vieregge wirkt unmotiviert und rasselt ihre Dialoge viel zu oft betonungsarm herunter. Außerdem versucht sie verzweifelt, Batwoman eine gewisse Badass-Attidüde zu verleihen, die aber weder Rose, noch ihre Figur in dieser Form hergeben.
25.07.2020 10:10 Uhr Kurz-URL: qmde.de/119851
Reinhard Prahl

super
schade

93 %
7 %

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Tags

Batwoman Star Trek Discovery Shannara Chronicles Sense 8 The 100 Dispatches from Elsewhere Star Trek: Picard

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Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
elmi2
25.07.2020 11:59 Uhr 1
Korrektur: Stand heute stehen 20 Folgen bei Amazon Prime in deutscher Fassung zur Verfügung, das sieht nach der kompletten Staffel aus.
reinhard.prahl
25.07.2020 12:44 Uhr 2
Seit gestern, korrekt. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert. :)
TorianKel77
25.07.2020 15:41 Uhr 3
Ist das jetzt nicht das gleiche in grün, sogar eigentlich noch mehr mit dem Holzhammer LGBT in das DC-Universum pressen..



Ich hatte mich auf Ruby durchaus gefreut, aber das war schon echt grottig. Die Folgen waren eine einzige Qual, musste dann wie wahrscheinlich sehr viele einfach die Reißleine ziehen. Potential wäre denke ich da gewesen für eine tolle Serie.
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