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Das Ende naht: Fragiler Frieden bei «Pastewka»

Eine Trennung und eine Mid-Life-Crisis. Ein verzweifelter Versuch, das Leben wieder in die Bahn zu lenken. Und was jetzt? Für Bastian Pastewka beginnt die zehnte Staffel «Pastewka» auf wackligen Beinen …

Bisher bei «Pastewka» …


Für Bastian Pastewka (genauer gesagt für den fiktiven Bastian Pastewka, der in «Pastewka» von Bastian Pastewka gespielt wird) waren es äußerst turbulente Jahre: Erst sah es so aus, als könnte er Sat.1 dazu bewegen, eine Serie auf Basis seines Lebens zu produzieren. Doch dann wurden sämtliche Pläne für die Serie «Pastewka» gekippt und er stattdessen als schrilles und peinliches Schwulenklischee in der Serie «Frier» besetzt. Ganze vier Jahre verharrte Bastian in dieser von ihm verhassten Rolle, während sich seine Freundin Anne beruflich weiterentwickelt, seine nervige Nichte Kim zur jungen, zielstrebigen Frau heranreift und sein Bruder Hagen seine Beziehung zur von Bastian verhassten Nachbarin Svenja Bruck stabilisiert. Als Hagen und "die Bruck" auch noch heiraten, während er und Anne aufgrund ihrer unglücklich liegenden Arbeitszeiten aneinander vorbeileben, zerbricht etwas in Bastian. Er wird endlich mal aktiv und will etwas für Anne und sich tun: Er will bei «Frier» kündigen.

Doch sein Entschluss ist unglücklich formuliert und Anne denkt, er wolle seine Beziehung zu ihr beenden. Sie redet sich in Rage, pflichtet ihm bei, dass sie eh kein echtes Paar sind und zerschlägt die vergangenen Jahre vor seinen Augen in klitzekleine Teile, womit Bastians Leben völlig aus der Bahn geworfen wird. Er stürzt in eine Mid-Life-Crisis, zerstört durch selbst für ihn völlig übertriebene PR-Desaster seine Karriere und beginnt eine Liaison mit einer Jüngeren (um Anne eifersüchtig zu machen und zurückzugewinnen). Nur durch reinen Zufall repariert er sein Image, als er einer schwangeren Bruch aus einer Notlage hilft, doch Dödel, der er ist, macht er wenig aus diesem PR-Gold und ist gedanklich noch immer zu verkrampft beim Versuch, Anne zurückzugewinnen.

Aber etwas wächst in ihm, als der kinderscheue Bastian eine solide bis gute Bindung zu seiner neugeborenen Nichte aufbaut. Ja, er verhaut die Karrierechance einer schmonzettenhaften ZDF-Serie, aber er erkennt parallel dazu, dass nicht alles hundertprozentig nach seinem Plan laufen muss, um glücklich zu sein. Fehlt nur noch die Versöhnung mit Anne – eine Versöhnung, die er in Afrika sucht, wo sie gerade bei wohltätigen Projekten aushilft …

Die Ruhe nach dem Sturm?


Übrigens ...!

Diese Kritik beleuchtet die ersten fünf Folgen der zehnten und finalen «Pastewka»-Staffel. Ein das Serienende genauer unter die Lupe nehmender Serientäter folgt demnächst, wenn mehr «Pastewka»-Fans Gelegenheit hatten, es sich anzuschauen.
Die zehnte und finale Staffel beginnt ein Jahr nach dem "Cliffhanger" von Staffel neun, als ein zerzauster Bastian eine verdutzte, doch auch dezent lächelnde Anne in Afrika konfrontiert. An dieser Stelle wollen wir natürlich nicht zu viel verraten, aber so weit kann man sich wohl vorwagen: Anne und Bastian können sich nach einem Jahr gemeinsamer, karikativer Arbeit in Afrika wenigstens wieder leiden. Und auch sonst hat sich Bastians Leben gewandelt: Er ist nicht mehr süchtig nach Komplimenten, er begeht nicht unentwegt irgendwelche Intrigen aus reinem Eigennutz und er hat sogar gelernt, sich ehrlich zu entschuldigen.

Die zehnte Staffel «Pastewka» deutet also schon früh an, dass die Verantwortlichen so etwas wie einen groben Masterplan für die drei Amazon-Staffeln hatten: Der selbstsüchtige und sture Bastian aus der Sat.1-Ära, der sich dauernd in immer neues Elend gesteuert hat und sitcomhaft doch irgendwie damit davonkam, wurde zerrüttet, in Verwirrung gestürzt und gegen seinen Willen in Richtung Charakterwachstum geschubst. Nun respektiert ihn Anne wieder, er kann gemeinsam mit seinem Bruder Hagen bei seinem Vater crashen, ohne dass sie sich alle unentwegt in den Haaren liegen, und selbst Gespräche mit der Bruck arten längst nicht mehr so schnell in Schreiwettkämpfe aus wie einst.

Das verleiht der finalen Staffel tatsächlich eine für gesteigerte Spannung sorgende Fallhöhe: Nicht nur, dass man als Fan mitfiebert, dass die letzten Folgen doch bitte gut sind, es liegt auch eine Anspannung in der Luft. Es ist die brenzlige Frage, ob Bastian nun nach seiner Heimkehr in Deutschland alles, was er sich aufgebaut hat, wieder mit seinem Hintern einreißen wird und «Pastewka» mit einem "Es wird für immer und ewig alles so ähnlich bleiben, wie es war" endet oder mit einem "Es gibt nichts mehr zu erzählen, Bastian ist kein Pannen-Dödel mehr, der jedes Fettnäpfchen mitnimmt, das sich mitnehmen lässt."

Dieser fragile Frieden zu Beginn der zehnten und letzten «Pastewka»-Staffel ist aber auch ein ideales Sprungbrett für "neuen, alten" «Pastewka»-Fremdscham-und-Mitleid-Humor: Alt, als dass sich die dramatischen Zwischenschübe aus Staffel acht und die gewollt-absurde Verbissenheit der Figur Bastian aus Staffel neun verabschieden und es wieder um überspitzte Alltags- und Promi-Alltags-Pannen geht. Um überteuerte Parktickets, zuvorkommendes Personal, wenn man sich bescheiden zeigen will und um peinliche Begegnungen an Seriensets. Neu, als dass die Situationskomik und die vorsichtig eingefädelten, sich schleichend ankündigenden Pannen in «Pastewka» nun mit einer ungewohnten Haltung des Titelhelden kollidieren.

Zu anders ist Bastian natürlich nicht: Er schwadroniert nun mit ehrlicher Überzeugung, aber auch mit kitschig-besserwisserisch-missionierender Attitüde über seine Erkenntnisse aus seinem Afrika-Jahr. Frei nach der traurigen Erkenntnis "Weiße denken, Afrika sei dazu da, ihr Leben zu verändern" tischt Bastian jedem auf, wie sehr ihn doch diese Erfahrung verbessert hat und wie einfach es doch wäre, durch dies und das dem Kontinent zu helfen. Obwohl er gelernt hat, sich zu entschuldigen, platzen noch immer Notlügen aus ihm heraus, die für neuen Trubel sorgen. Und ein wiederkehrender Subplot droht, dass seine Nachlässigkeit Bastian in beruflichen Dingen noch in den Hintern beißen wird.

Für den Abschluss einer zehn Staffeln alten Comedyserie ist das ein herrlicher, genüsslicher Spagat: Würdige die Serienidentität, doch bewahre sie davor, auf den letzten Metern ausgelutscht zu werden. Hinzu kommen: Bastian Pastewkas Performance, die überaus amüsant dieses Charakterwachstum verdeutlicht und trotzdem den alten Bastian durchschimmern lässt. Eine wie losgelöst wirkende Sonsee Neu. Cristina do Rego als einmal mehr völlig verwandelte Kim. Bettina Lamprecht als grantige und trotzdem irgendwie gemäßigte Bruck. Sowie Matthias Mattschke und Dietrich Hollinderbäumer als ebenso geknickte wie für ihre Verhältnisse funktionale Pastewka-Familie. Somit biegt «Pastewka» in Topform in die Zielgerade!

«Pastewka» ist via Amazon abrufbar.
07.02.2020 00:01 Uhr Kurz-URL: qmde.de/115644
Sidney Schering

super
schade

95 %
5 %

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Tags

Frier Pastewka

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