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Unverständliches Gemecker: Fünf Serienenden, die zu Unrecht die Gemüter erhitzen

Zeit für ein paar unpopuläre Meinungen: Diese fünf Finalfolgen werden in den Augen unseres Serientäters Sidney Schering ungerechtfertigt in der Luft zerrissen. Achtung, selbstredend folgen Spoiler.

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«Lost»


Das Ende von «Lost» gleicht in mancherlei Aspekten dem Ende von «Game of Thrones»: Beide Serien wurden von nicht wenigen Serienfans und Pressevertretern zeitweise zur besten Serie der TV-Geschichte hochstilisiert. Beide Serien legten mit größerem Vorlauf einen zeitlichen Fixpunkt für ihren Abschluss fest. In beiden Fällen wurden Teile der Fanbase während der vorletzten Season ungeduldig und verloren während der Finalstaffel die Fassung – mit der Hoffnung, dass das Finale das Ruder noch herumreißt. Da die Showrunner den Fokus aber auf Aspekte legten, die vielen Fans weniger wichtig waren, nahm die zuvor so laut umjubelte Serie in den Augen einiger Fernsehenden durch den Abschluss einen Imageschaden hin.

Bei «Lost» lässt mich der ganze Hass auf die Finalfolge allerdings ratlos zurück: Auch wenn die Geheimnisse rund um die mysteriöse Insel ein großer Reizpunkt von «Lost» waren, lag der narrative Fokus für mich von Anfang an klar auf den Figuren und ihrem Innenleben. Dass das Finale von «Lost» also dem zentralen Personal einen emotionalen Abschluss gibt, statt den Fokus auf die Inselmythologie zu legen, ist nur konsequent. Der selbsternannte Anführer der Gruppe, Jack, darf den aufopferungsvollen Heldentod sterben und mit seinem letzten Wimpernschlag noch erblicken, wie seine Freunde gen Sicherheit fliegen, zudem zeigen Szenen aus dem Leben danach, wie alle uns wichtigen Figuren aus der Serie gemeinsam Glück finden.

Ein esoterisches Finale, das mit treffsicheren Charaktermomenten unterstrichen wird und praktisch das Ende von James Camerons «Titanic» formvollendet ausführt. Aber es entsprach wohl leider nicht den Erwartungen … Übrigens: Kollege Björn Sülter verteidigte das «Lost»-Finale auch schon.

«Two and a Half Men»


Nach zwölf Jahren, einer riesigen inhaltlichen Neuausrichtung inklusive Hauptdarstellerwechsel und größeren wie kleineren Kontroversen war am 19. Februar 2015 Schluss: Chuck Lorres Hitsitcom «Two and a Half Men» ging mit einer Doppelfolge von der Bühne. Die Presse war zumeist garstig gegenüber diesem letzten großen Knall der Altherrenwitz-Sitcom und bei IMDb hat das Finale ein mieses Rating von 4,1/10 Punkten. Aber, was soll ich sagen: Für mich ist es eine der denkwürdigeren Episoden einer Serie, die so selbst vier Jahre später wohl nicht mehr aus der Fernsehtaufe gehoben werden würde und stellenweise kaum mehr war als unaufdringliches Hintergrundrauschen.

Das Finale dagegen wirft mit Gastauftritten um sich, feister Selbstironie und süffisant vermittelter Selbstkritik, wie garstig, egomanisch und lebensunfähig die «Two and a Half Men»-Figuren doch sind. Ja, die zahlreichen Seitenhiebe auf Charlie Sheen, der die Serie aufgrund Auseinandersetzungen mit Serienmacher Lorre Jahre zuvor verlassen musste, sind partiell unnötig gehässig, bedenkt man, dass Sheen kurz vor Serienende eine Versöhnung suchte. Dennoch ist das «Two and a Half Men»-Finale auf amüsierte Weise platt, grell und bescheuert. Auf verquere Weise ist es das Ende, das diese Serie verdient hat.

«Seinfeld»


Das «Seinfeld»-Finale ist das «Two and a Half Men»-Finale in raffiniert: Die oftmals als Serie über nichts bezeichnete Sitcom mit Jerry Seinfeld, Julia Louis-Dreyfus, Michael Richards und Jason Alexander endet mit einer konsequenten Abrechnung, welch unausstehliche Zeitgenossen die Serienhelden doch eigentlich sind: Zahlreiche Nebenfiguren aus früheren Episoden sagen im «Seinfeld»-Finale vor Gericht gegen die Hauptfiguren aus und erläutern, weshalb sie keinerlei gute Seiten an sich haben. Die Serie endet daraufhin mit dem zentralen Quartett hinter Gittern.

Es ist eine clevere Selbstdekonstruktion der Serie, denn so lustig die «Seinfeld»-Hauptfiguren auch sein mögen, wenn man sie aus sicherer Distanz beobachtet, so würde kaum ein vernünftiger Mensch mit ihnen im realen Leben zu tun haben. Was «Seinfeld» bis dahin unausgesprochen ließ, bestenfalls gelegentlich zwischen den Zeilen klar machte, wird passenderweise mit einem letzten Paukenschlag in den Serienvordergrund gerückt. «Seinfeld» war eben doch nie eine Serie über nichts, sondern eine Serie über Narzisten. Aber das mag rückblickend deutlicher sein, als es während der Uraufführung war.
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22.05.2019 13:20 Uhr Kurz-URL: qmde.de/109510
Sidney Schering

super
schade

75 %
25 %

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Tags

Lost Game of Thrones Titanic Two and a Half Men Seinfeld How I Met Your Mother Your Mother Who's Your Mother? Die Sopranos Sopranos

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Es gibt 8 Kommentare zum Artikel
Sid
22.05.2019 19:03 Uhr 6


Finde generell die finale Staffel von "Alias" erstaunlich gelungen, wenn man bedenkt, wie es hinter den Kulissen zwischen den Serienverantwortenden und ABC hin und her ging. "Wird nicht die letzte Staffel, keine Sorge ... Oh, wird sie vielleicht doch ... Wird sie auf jeden Fall ... Ach, übrigens: Wir kürzen die Episodenorder!" Das hätte eigentlich nicht als befriedigendes Ende funktionieren dürfen, tut es meiner Ansicht nach aber sehr wohl.



@ LittleQ: Ah, dann bin ich ja beruhigt, dass du dich nicht auf den Artikel bezogen hast. :)
Sentinel2003
28.12.2019 17:48 Uhr 7
Ich war und bin weiterhin großer "LOST" Fan, habe aber kuriosereweise bis heute nicht die finale Staffel gesehen, da ich einfach nie wissen wollte, wie es endet....und, das wird wohl auch so bleiben....
LittleQ
29.12.2019 10:25 Uhr 8


Solltest du aber machen. Es gibt wirklich sehr tolle Episoden, gerade wenn es um Jacob geht ;) Und das Endszene ist auch irgendwie total süß gemacht :D
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