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Skydance Animation heuert Ex-Pixar-Kreativchef John Lasseter an

Die Produktionsschmiede sichert sich die Dienste John Lasseters, nachdem er den Disney-Konzern unehrenhaft entlassen hat. Eine sehr kritisch betrachtete Entscheidung.

Filme, die Skydance Media mit Paramount Pictures verwirklicht hat (Auswahl)

  • «True Grit»
  • «Mission: Impossible» (Teil 4 bis 6)
  • «Star Trek Into Darkness»
  • «World War Z»
  • «Star Trek Beyond»
  • «Baywatch»
  • «Auslöschung»
Die Produktionsfirma Skydance Media hat im März 2017 im Rahmen einer Partnerschaft mit den Ilion Animation Studios einen neuen Geschäftsarm eröffnet: Skydance Animation. Das Animationsstudio kündigte seither vier Animationsfilme an, darunter ein neues Projekt des «Rapunzel»-Regisseurs Nathan Greno. Nun erhielt das bislang übergangsweise von Bill Damaschke geführte Trickstudio zudem, mit einiger Verzögerung, einen offiziellen Leiter: Wie Skydance Media mitteilte, wurde für diesen Posten John Lasseter angeheuert, der ehemalige Kreativchef der Pixar Animation Studios und der Walt Disney Animation Studios. Eine mehr als nur heikle Personalie: John Lasseter wurde beschuldigt, ihm unterstellte Frauen zu bedrängen, sie gegen ihren Willen zu betatschen und zu küssen und ihnen in Meetings konsequent weniger Achtung zukommen zu lassen wie ihren männlichen Kollegen.

Obwohl der Disney-Konzern zu keinem Zeitpunkt offiziell auf die Anschuldigungen gegen Lasseter einging, ging man indirekt auf sie ein: Nach einer Auszeit Lasseters wurde ihm eine befristete Rückkehr an seinen alten Posten gestattet, bei der ihm allerdings seine Entscheidungsgewalt beschnitten wurde. Diese Rückkehr endete zum Jahreswechsel, seither ist Lasseter ganz offiziell raus aus dem Disney-Konzern. Dass Skydance Media Lasseter weniger als zwei Wochen nach seinem Disney-Aus eine neue, hohe Stellung gibt, stieß in der Filmbranche prompt auf große Gegenwehr. So veröffentlichte die Organisation Time's Up einen offenen Brief, in dem sie erläutert, dass Rehabilitation keineswegs undenkbar sei, Skydance Media jedoch einen Mann anheuerte, der bislang keinerlei Mühen gezeigt hat, für sein Handeln einzustehen und somit (Macht-)Missbrauch dulden würde.

Brooks Barnes von der 'New York Times' unterdessen berichtet, dass Skydance Media im Vorfeld des Vertragsabschlusses mit Lasseter den Rat "mehrerer mächtiger Hollywood-Frauen" eingeholt habe – und durchweg auf Gegenwehr gestoßen sei. David Ellison, CEO von Skydance Media, verteidigt seine Entscheidung, Lasseter anzuheuern, in einem Mitarbeiter-Memo, das unter anderem 'Variety' vorliegt: "Ich weiß, dass sich viele von euch dessen bewusst sind, dass sich John Fehler eingestanden hat. John hat sich entschuldigt und verbrachte das vergangene Jahr damit, Selbstanalyse zu betreiben und sein Verhalten am Arbeitsplatz zu verbessern."




Paramount Pictures, langjähriger Geschäfts- und Vertriebspartner von Skydance, ist Berichten zufolge allerdings nicht der Ansicht, dass Lasseter genug getan hat, um neues Vertrauen zu genießen: Laut 'The Hollywood Reporter' wurde der Konzern, der bereits vor einiger Zeit einwilligte, die ersten beiden Skydance-Animation-Produktionen in die Kinos zu bringen, vorab nicht informiert, dass Lasseter angestellt wird und ist unglücklich mit dieser Entscheidung. Nach Angaben des US-Branchendiensts fordern einige Köpfe innerhalb des Unternehmens, aus dem Deal mit Skydance auszusteigen, um sich von Lasseter zu distanzieren.
10.01.2019 09:38 Uhr Kurz-URL: qmde.de/106414
Sidney Schering

super
schade


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Rapunzel

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