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Der TV-Markt im Oktober: ZDF dominiert und versagt zugleich, ProSieben kommt RTL etwas näher

In Mainz muss man sich Gedanken machen, wie man in Zeiten grandioser Gesamtzahlen die Jugend nicht völlig verliert. RTL startet ziemlich schwach ins neue Fernsehjahr, ProSieben könnte angreifen.

Ein einziges Mal erreichte das deutsche Fernsehen im Oktober eine zweistellige Zuschauerzahl: Am 16. Oktober mit dem Nations-League-Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Frankreich, das auf 11,69 Millionen Zuschauer und 39,0 Prozent Marktanteil gelangte - direkt dahinter platzierte sich die andere Niederlage des einstigen Weltmeisters in den Niederlanden mit 9,61 Millionen sowie 33,4 Prozent. Auf sehr ähnlichem Niveau rangierten dahinter alle vier neuen «Tatort»-Ausgaben mit 8,30 bis 8,66 Millionen Fernsehenden, bevor «Die Toten vom Bodensee» und «Nord Nord Mord» mit ebenfalls jeweils noch über acht Millionen das Label Montagskrimi im Zweiten stark repräsentierten. Das Privatfernsehen fand sich weit dahinter, hier waren schon 5,40 Millionen für den Staffelstart von «Bauer sucht Frau» das Höchste der Gefühle.

Auch beim jungen Publikum waren König Fußball (bis zu 3,56 Millionen und 36,4 Prozent für das Frankreich-Spiel) und «Tatort» (bis zu 2,48 Millionen) die Highlights des Monats, doch knapp unterhalb der Zwei-Millionenmarke trudelten dann auch die ersten privaten Angebote ein: «The Voice of Germany» erreichte mit seiner ersten Sonntags-Ausgabe 1,98 Millionen, verzeichnete seinen bislang höchsten Marktanteil allerdings mit dem Staffelauftakt am vorherigen Donnerstag (20,4 Prozent). «Bauer sucht Frau» gelangte auf bis zu 1,96 Millionen und 21,3 Prozent, «Das Supertalent» kam am Samstagabend sogar auf maximal 22,0 Prozent bei bestenfalls 1,87 Millionen. Den höchsten Marktanteil für einen Privatsender verbuchte jedoch «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» mit überragenden 23,1 Prozent in der Spitze, wobei die Zuschauerzahl maximal 1,79 Millionen betrug.

Unter den drei kleineren Privatsendern gaben sich «Die Höhle der Löwen» und die neue Serie «The Good Doctor» mit Freddie Highmore die Klinke in die Hand. Die Löwen erreichten bis zu 3,10 Millionen und in der Spitze einmal mehr überragende 10,6 und 18,8 Prozent, doch auch die Mittwochsserie konnte mit maximal 2,70 Millionen und bestenfalls 9,4 bzw. 13,6 Prozent voll und ganz überzeugen. RTL II punktet weiterhin vornehmlich mit Sozialdokus am Dienstagabend, im Oktober wurden bis zu 1,52 Millionen Menschen für «Armes Deutschland» erschlossen. Die höchsten Marktanteile verzeichnete aber keine Erstausstrahlung, sondern eine spätabendliche Wiederholung einer alten «Hartz und herzlich»-Ausgabe mit 8,7 und 13,6 Prozent bei 1,45 Millionen Zuschauern. Bei kabel eins durfte man sich einmal mehr glücklich darüber schätzen, dass man einige starke Filmklassiker im Repertoire hat, denn die höchsten Zuschauerzahlen verbuchten auf diesem Sender «Die rechte und die linke Hand des Teufels» sowie «Zwei sind nicht zu bremsen» (1,40 bzw. 1,38 Millionen).

Alle Zuschauer (Oktober 2018)


ALLE ZUSCHAUER (OKTOBER)
10,6
10,3
13,4
13,0
8,0
8,9
3,2
3,1
5,1
5,1
6,4
6,2
4,6
4,4
3,7
3,6
Marktanteile in %  |  Oktober 2018 ggü. September 2018

Wie gewohnt war das ZDF auch im Oktober wieder der mit Abstand zuschauerstärkste Sender, den das deutsche Fernsehen zu bieten hatte. Mit saftigen 13,4 Prozent Marktanteil dominierten die Mainzer den Markt noch deutlicher als schon zum Saisonauftakt mit 13,0 Prozent, zumal Das Erste nach einer bräsigen September-Performance mit historisch miesen 10,3 Prozent diesmal kaum bessere 10,6 Prozent verzeichnete. Angst vor einem Angriff von Seiten eines Privatsenders müssen sich jedoch beide öffentlich-rechtliche Sendeanstalten momentan keine machen, denn nachdem RTL im Vormonat noch überraschend gute 8,9 Prozent generiert hatte, sackten die Kölner nun wieder erheblich ab auf nur noch triste 8,0 Prozent. Damit war man gar nicht so viel besser unterwegs als noch im Juni, als man gegen die Fußball-WM komplett unterging und historisch schlechte 7,5 Prozent verbucht hatte.

Auch Sat.1 bleibt weiterhin ziemlich schlapp und steigerte sich trotz der neuen «The Voice»-Staffel nur leicht von 6,2 auf 6,4 Prozent, womit man keine ernsthafte Gefahr für den taumelnden privaten Riesen darstellt. VOX scheint sich dank der «Höhle der Löwen», aber auch dank des Überraschungshits «The Good Doctor» wieder als werbefinanzierter Akteur zu gefallen, der im Gegensatz zu den anderen Großen für weitgehende Stabilität steht: Mit 5,1 Prozent platzierte man sich erneut klar vor ProSieben, das sich aktuell mit 4,6 Prozent aber auch stabiler zu halten scheint als in den vergangenen Jahren, wo die Unterföhringer teils erhebliche Verluste zu verkraften hatten. Wenig tat sich auch bei den beiden mit Abstand kleinsten Sender der "Big Eight", wobei sich kabel eins mit 3,7 Prozent weiterhin recht stabil auf dem starken Niveau hält, das nun schon seit August vorherrscht, während RTL II mit 3,2 Prozent zumindest erstmal nicht unter die Drei-Prozenthürde rutscht.

Der Vergleich mit dem Oktober 2017 ist ein numerisches Grauen für Robin Hood: Das ohnehin schon starke ZDF steigerte sich nochmal um über einen Prozentpunkt (damals 12,4 Prozent, was allerdings auch der schwächste Wert der vergangenen zwei Jahre für die Mainzer war), während insbesondere RTL einen dramatischen Aderlass hinzunehmen hatte. Abgesehen vom Dschungel-Januar hatten die Kölner nämlich im Oktober mit 9,4 Prozent nämlich den mit Abstand stärksten Marktanteil der vergangenen Saison verzeichnet, was die Programmverantwortlichen ins Grübeln kommen lassen sollte. Auch Das Erste (10,9 Prozent) und Sat.1 (6,8 Prozent) waren vor Jahresfrist etwas stärker unterwegs gewesen, während das kleinere Sender-Quartett vergleichbare Werte erzielte.

14- bis 49-Jährige (Oktober 2018)


14- BIS 49-JÄHRIGE (OKTOBER)
6,6
6,0
5,6
5,7
11,2
11,3
5,6
5,7
7,5
7,4
8,3
8,1
9,8
9,6
5,1
5,3
Marktanteile in %  |  Oktober 2018 ggü. September 2018

Mit 11,2 Prozent war RTL im Oktober einmal mehr der einzige Sender, der beim jungen Publikum überhaupt noch die Zweistelligkeit erreichte. Was auf dem ersten Blick nach einer guten Nachricht für die Kölner ausschaut, stellt sich bei genauerem Hinsehen aber deutlich kritischer dar, denn neben dem September und dem Januar war der zehnte Monat im Kalenderjahr in der jüngeren Vergangenheit stets eine ziemlich starke Domäne der Kölner - und dafür sind dieser Marktanteil sowie rund anderthalb Prozentpunkte Vorsprung auf ProSieben mit 9,8 Prozent gar nicht mal so gut. Zwölf Monate zuvor war RTL nämlich noch auf deutlich bessere 12,3 Prozent gelangt, während die Unterföhringer auf vergleichbare 9,8 Prozent kamen. Insofern darf ProSieben letztlich deutlich glücklicher über das erreichte Oktober-Niveau sein.

Davon einmal abgesehen war der Oktober nun sicherlich nicht der spannendste Monat in der Geschichte des Fernsehmarktes: Sat.1 hielt sich bei unspektakulären 8,3 Prozent, VOX replizierte mit 7,5 Prozent den Saisonstart fast komplett, Das Erste steigerte sich nach bedenklichen 6,0 Prozent auf nicht mehr ganz so schwache 6,6 Prozent, RTL II blieb ziemlich stabil bei 5,6 Prozent und kabel eins fiel zwar ein wenig zurück von 5,3 auf 5,1 Prozent, war aber in der jüngeren Vergangenheit auch schon mal deutlich schwächer unterwegs. Das ZDF wiederum verharrte mit 5,6 Prozent unterhalb der Sechs-Prozentmarke und erstaunt damit einmal mehr, immerhin handelt es sich bei den Mainzern ja um den seit Jahren unangefochtenen Gesamtsieger, der jedoch außerhalb von großen Sportturnieren, der wöchentlichen «heute-show»-Ausstrahlung und einigen Ausnahmen wie «Aktenzeichen XY... ungelöst» nur selten Zugriff auf die Zuschauer unter 50 Jahren bekommt.

Alle Zuschauer (Fernsehjahr)


ALLE ZUSCHAUER (FERNSEHJAHR)
10,5
11,5
13,2
13,5
8,5
8,8
3,2
3,0
5,1
4,9
6,3
6,3
4,5
4,4
3,7
3,5
Marktanteile in %  |  Sep. 2018 – Okt. 2018 ggü. Sep. 2017 – Mai 2018

Nach zwei von neun Saison-Monaten sieht es zunächst einmal nach leichten Verlusten für das ZDF aus, was jedoch mit äußerster Vorsicht zu genießen ist - nicht nur, weil sich bislang bestenfalls erste Tendenzen erkennen lassen und der Sender nach einem etwas zurückhaltenderem Saisonauftakt im Oktober schon wieder deutlich zulegte, sondern vor allem auch deshalb, weil die 13,5 Prozent aus der Vorsaison schlichtweg fantastisch und auf dem fragmentierten Fernsehmarkt beispiellos waren. Das Erste hingegen muss allmählich doch mal in die Hufen kommen, denn aktuell würde man nicht nur rund einen Prozentpunkt gegenüber der Vorsaison einbüßen, sondern auch erstmals überhaupt in der Sendergeschichte unter die Elf-Prozentmarke rutschen. Darüber hinaus liegt man aktuell etwa drei Prozentpunkte hinter dem ZDF, womit dieses immer unerreichbarer erscheint, nachdem man zu Beginn des Jahrzehnts noch auf Augenhöhe gelegen hatte.

Seit acht Jahren massiv rückläufig sind die Werte RTLs, das übrigens 2010/11 mit 14,5 Prozent noch den schillerndsten Saisonschnitt des 21. Jahrhunderts hingelegt hatte - und aktuell bei 8,5 Prozent herumkrebst. Nach bereits historisch miesen 8,8 Prozent zuletzt sieht es also so aus, als drehe sich die Abwärtsspirale munter weiter, was ehrlicherweise nicht einmal mehr groß überraschen wurde. Sat.1 könnte sich dagegen diesmal recht stabil halten, nachdem der Bällchensender in der Vorsaison allerdings auch ziemlich dramatisch von 7,1 auf 6,3 Prozent abgesackt war. Auch bei ProSieben stehen nach vier Jahren der Verluste die Zeichen der Zeit eher auf Stabilität, VOX scherte ohnehin schon in den Vorjahren mit seiner Verweigerungshaltung aus dem Pool der Privaten aus, die sich der privaten Tristesse willenlos hingaben - ja, nicht zuletzt dank «DHDL» könnte es hier sogar ein wenig bergauf gehen. Eine ähnliche Richtung deutet sich auch bei kabel eins und RTL II an, wenngleich auch hier erstmal nur sehr schüchtern und vage.

14- bis 49-Jährige (Fernsehjahr)


14- BIS 49-JÄHRIGE (FERNSEHJAHR)
6,3
6,7
5,7
6,3
11,3
11,9
5,7
5,4
7,5
7,1
8,2
8,3
9,7
9,4
5,2
4,8
Marktanteile in %  |  Sep. 2018 – Okt. 2018 ggü. Sep. 2017 – Mai 2018

Im Sauseschritt auf Talfahrt befindet sich RTL auch beim jungen Publikum, wo es auch mit seinen 11,3 Prozent zwar noch immer klarer Marktführer ist, aber seit 2011 nach jetzigem Stand rund acht Prozentpunkte eingebüßt hat. Ein derart dramatischer Absturz um fast die Hälfte des damaligen Niveaus lässt sich nicht einmal bei Sat.1 erkennen, das damals knapp elf Prozent und aktuell gut acht Prozent der jungen Zuschauergruppe mobilisiert. ProSieben stand vor acht Jahren mit 11,5 Prozent auch noch klar besser da und hat vor allem in den vergangenen beiden Saisons dramatisch an Zuspruch eingebüßt (von 10,9 auf 9,4 Prozent), scheint momentan aber wieder einen kleinen Schritt in die richtige Richtung zu machen und sich der Zweistelligkeit zumindest wieder anzunähern.

Bei VOX könnte man mit einiger Verwunderung auf die teils dramatischen Verluste der Mitbewerber blicken und mit Recht darauf verweisen, dass man selbst von einigen Aufs und Abs mal abgesehen seit Jahren weitgehend stabil bei meist gut sieben Prozent liegt. Für kabel eins hatte sich in den vergangenen vier Jahren eine kontinuierliche Abwärtsdynamik von 5,6 auf 4,8 Prozent ergeben, momentan zeigt die Formkurve hier aber eher wieder nach oben, bei RTL II sieht es da ganz ähnlich aus. Das Erste und auch das ZDF müssen dagegen aufpassen, sich nicht auf ihrem Plus des Vorjahres auszuruhen, denn nach aktuellem Stand droht beiden Sendern beim jungen Publikum ein neues Rekordtief.
01.11.2018 10:17 Uhr Kurz-URL: qmde.de/104894
Manuel Nunez Sanchez

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