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gamescom 2018 – Fünf Tage Medien-Wahnsinn

Rund 350.000 Besucher tümmelten sich jüngst auf der Kölner gamescom. Videospiele sind weiterhin das Herzstück der Messe, doch längst gibt es mehr zu bestaunen. Anerkennung von eSport, Virtual Reality oder der Preis eines halben Liter Wasser.

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Die Raketenbohnen waren wie bereits die Jahre zuvor auch mit einem großen Aufgebot vertreten. In Halle 7 stellte das in Hamburg ansässige Team ein offenes Sendestudio auf, im Hintergrund die Technik und Regie für die Liveübertragungen auf YouTube und twitch. Auf ihrem YouTube-Kanal kann man sowohl deren eigene Formate sehen, als auch das von ihnen produzierte Gamescom TV.

Doch nicht nur die Rocketbeans waren als Medien-Größen auf der diesjährigen Messe vertreten. Die gamescom gilt als Sammelplatz aller medienaffinen Menschen, Influencer, YouTuber, Streamer, Let’s Player und Cosplayer. Unter diesen fand sich auch das deutsche YouTube-Schwergewicht Sarazar, ebenso wie Gronkh, DoktorFroid und die Musiker Bushido und Rockstah.

Was den eigentlich Schwerpunkt der Messe angeht, die Videospiele, wurde wie jedes Jahr schweres Geschütz aufgefahren. Den größten Titeln gehören demnach auch die imposantesten Stände und die größte PR-Maschinerie. Stellvertretend für die am besten besuchten Spiele lassen sich «Assassins Creed: Odyssee», «Metro Exodus» und «Fallout 76» nennen. Ersteres ist eines der größten Zugpferde des französischen Entwicklerstudios Ubisoft, das sich um Assassinen dreht, die in einem wechselnden historischen Szenario herumschleichen, springen und kämpfen. Bei dem zweiten Titel dreht es sich um den dritten Teil der russischen «Metro»-Reihe, der mit apokalyptischen Landschaften und einer düsteren Atmosphäre auftritt. «Fallout 76» wird von seinem eigenen Entwicklerstudio Bethesda als Online-Prequel bezeichnet, das wie seine Vorgänger nach der atomaren Vernichtung spielen soll. Was die Spieler dort genau erwartet, wird wohl erst nach Release deutlich, da man den eigentlichen Titel nicht selbst anspielen durfte.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängerjahren wurde das Thema der Virtual Reality relativ kleingeschrieben. Zwar stellte Sony einen nicht zu übersehenden VR-Stand auf, doch abseits davon sah man die Brillen nur in kleinen Bereichen, darunter auch das Spiel «Transference», in dem auch Schauspielgröße Elijah Wood involviert ist. Inwieweit das Thema der virtuellen Realität in den kommenden Jahren eine Rolle in der Videospielbranche spielen wird, bleibt abzuwarten. Fakt ist jedoch, dass sich die Präsenz dieses momentan eher technischen Gimmicks spürbar reduziert hat.

Doch abseits der Videospiele waren auch Stände der Jugendkontrolle und Unmengen an Merchandise-Verkäufern anwesend. Einer der Aussteller sorgte mit seiner Werbekampagne jedoch für Kontroversen. Die Bundeswehr warb mit Sprüchen wie „Multiplayer at its best!“ und „Mehr Open World geht nicht!“ für ihre Tätigkeit aktiv auf der gamescom und Kölner Plakatwänden. Die Werbung sorgte vor allem auf Twitter für Aufsehen und Kritik, darunter auch der Online-Reporter Mario Sixtus, der das Marketing der Bundeswehr auf das Schärfste verurteilte. Jüngst sorgte der Bund schon mit seinen Webserien über Fallschirmspringer und Mali-Einsätze für provokante Werbemaßnahmen.

Doch die eigentliche gamescom ist auch nicht frei von Skandalen. Der wohl bekannteste ist die Berichterstattung von RTL aus dem Jahre 2011, die in dem Magazin «Explosiv» ausgestrahlt wurde. Die Spieler wurden in besagtem Beitrag als alleinstehende Männer dargestellt, die nur in ihrer virtuellen Welt leben, ungewaschen sind und besser mit Kostümen als Frauen umgehen können. Es folgte der obligatorische Aufschrei über den subjektiven und journalistisch fragwürdigen Beitrag und die Kritik kam nicht nur von Seiten der gamescom-Leitung. Besonders aggressiv war die Hackergruppe Anonymus , die auf YouTube zum Boykott des Privatsenders aufrief. RTL entschuldigte sich letztendlich kleinlaut für den Beitrag. Mittlerweile ist die Berichterstattung über die gamescom und Videospielthematiken auf einem journalistisch investigativen und seriösen Niveau angekommen.

Was auf der gamescom 2018 auffiel, war die Präsenz von eSport-Bühnen und das Interesse des Publikums daran. In Spielen wie dem Ego-Shooter «Counter-Strike: Global Offensive», dem Fantasy-Strategiespiel «League of Legends» und «Rocketleague», eine Mischung aus Rennspiel und Fußball, traten entweder Teams oder einzelne Spieler gegeneinander an, sehr zur Freude der Beobachter. Die meisten Spiele wurden live auf mehreren Plattformen gestreamt und unter den zahlreichen Bühnen war auch die ESL, die Electronic Sports League und weltweit größter eSports-Ligenbetreiber. Der 25. August, Samstag, markierte wieder das Ende der diesjährigen gamescom. Erwartungsgemäß herrsche Samstag der größte Besucherandrang, nicht zuletzt weil das Bundesland Nordrhein-Westfalen noch immer Schulferien hatte. Der Andrang wurde bereits am Donnerstag und Freitag in endlosen Warteschlangen und heillos überfüllten Hallen deutlich.

Dennoch ist die gamescom wieder einmal ein Medienspektakel ohnegleichen gewesen. Wie sich die Videospielindustrie entwickelt und wie sich dadurch die gamescom 2019 gestaltet, bleibt erst einmal abzuwarten. Besonders interessant sind die Entwicklung der Virtual Reality und das Thema eSport und die Frage, ob ein halber Liter Wasser nächstes Jahr immer noch 4,50 Euro kosten wird.
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30.08.2018 10:14 Uhr Kurz-URL: qmde.de/103381
Martin Seng

super
schade

92 %
8 %

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Tags

ESport Assassins Creed: Odyssee Counter-Strike: Global Offensive Explosiv Fallout 76 Game One League of Legends Metro Metro Exodus Rocketleague Transference

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
sebmeier
30.08.2018 10:49 Uhr 1
Toller Bericht von euch. Finde es schön dass ihr jetzt auch über solche Sachen berichtet. Vielleicht macht ihr ja auch mal was über die E3.
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